Andrei Plesu

Das Schweigen der Engel

Cover: Das Schweigen der Engel
Berlin University Press, Berlin 2007
ISBN 9783940432087
Gebunden, 224 Seiten, 24,80 EUR

Klappentext

Aus dem Rumänischen von Georg Aescht. Der rumänische Philosoph Andrei Plesu, eine geistige Autorität weit über sein Land hinaus, hat den kommunistischen Ungeist mit seiner gewalttätigen ?Entweder-Oder-Ideologie? noch kennengelernt. Engel zeigen sich dem Menschen dagegen in den Zwischenräumen, sie sind ihr Widerschein. Wenn Andrei Plesu über Engel schreibt, über das, was scheinbar nicht von dieser Welt ist, dann denkt er über den Menschen in dessen scheinbar aufgeklärter Kultur nach.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.12.2007

Passend zur Jahreszeit hat Sigrid Weigel zwei Bücher über Engel gelesen und stellt fest, dass das Interesse an Engeln heute ähnlich ausgeprägt ist, wie zuletzt in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Andrei Plesu macht in seiner Angelologie keinen Hehl aus seinem Engelsglauben, stellt die Rezensentin fest. Adressaten seines Buches, das der Wiederherstellung der den Engeln gebührenden Stellung verschrieben ist, sind Nichttheologen. Der Autor, ehemaliger rumänischer Außenminister und Philosoph, stützt sich dabei maßgeblich auf Thomas von Aquins Verortung der Engel als "Zwischenwesen" und Mittler zwischen Himmel und Erde, erklärt die Rezensentin. Wenn sich der Autor mittels christlicher und heidnischer Quellen an eine "imaginative Epistemologie" macht, so zählt das für die Rezensentin zu den anregendsten Passagen des Buches. Ziemlich seltsam dagegen findet Weigel, dass Plesu unter anderem Walter Benjamin als selten gelesenen Gewährsmann für seine Engelskunde apostrophiert, der doch eingehend rezipiert worden ist, wie die Rezensentin betont. Ansonsten meint sie etwas unzufrieden, dass Plesus Glauben an Engel seine Perspektive eingrenzt, etwa, wenn er die weltliche Musik lediglich als "Reflex" auf die himmlische, den Engeln zugeschriebene Musik versteht.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.12.2007

Mit größter Freude nimmt Hans-Peter Kunisch die beiden Engelbücher von Andrei Plesu und Giorgio Agamben auf, die beide der Verkitschung und süßlichen Verherrlichung der Engel ein Ende machen. Das Buch "Schweigen der Engel" des rumänischen Philosophen und früheren Kultur- und Außenministers Andrei Plesu bezeichnet Kunisch als eine Sammlung "scharfsinniger" Essays, die vor allem mit Walter Benjamin die hell-dunkle Seite der Engel beleuchten und die Position des Menschen stärken. Denn während für Plesu Engel Vektoren, eine Richtung, sind, ist der Mensch ein Kreuz, in dem sich Feldarbeit und Beten verbinden. Dankbar ist Kunisch auch für Plesus Rat, dass zu viel Vorsicht auch nicht gut tut: Der Mensch vermag nicht sein eigener Schutzengel zu sein."

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2007

Thomas Macho hat ein "sehr persönliches, poetisches" Buch gelesen. Der Emigrant und Regimegegner und nach der Revolution als Kultur- und Außenminister Rumäniens tätige Kunsthistoriker und Religionsphilosoph Andrei Plesu konzentriere sich vor allem auf die Engel in Bewegung. Engel seien "Pfeile", während die Menschen Plesu eher als statisches "Kreuz" erscheinen. Und doch hätten Menschen und Engel etwas gemeinsam, nämlich die verbindende Erfahrung als "Zwischenwesen". Das hätten sie beide Gott voraus. Macho ist unausgesprochen angetan sowohl von der "systematischen" Einführung in die Angeologie als auch vom zweiten Teil, der "subjektiver, fragmentarischer, apokrypher" daherkommt und eine Vielfalt von Gedanken zum Thema präsentiert. Angeregt hat den sich mit ausdrücklichen Wertungen zurückhaltenden Rezensenten offenbar beides.
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