Von Heimsuchungen geplagt, irrt Filbert durch Berlin. In einer Schneenacht trifft er Mae, ihre Liebe scheint einfach und endgültig. Noch kann Filbert nicht zur Ruhe kommen, die Legenden um seinen Großvater, der als Widerstandskämpfer in den Wäldern Osteuropas den Heldentod gestorben ist, treiben ihn um. Dann aber taucht Aureliusz auf, der nicht so harmlos ist, wie er aussieht: bloß ein Junge in einem löchrigen Pullover, und doch vermag er durch die Zeiten zu reisen auf seiner Suche nach der Wahrheit. Aber die lässt sich nicht so leicht finden, wenn jeder eine andere Geschichte erzählt und Filbert eigentlich nur Mae zurückhaben möchte.
Da überspringt Gesa Olkusz mit ihrem Debütroman doch einfach alle "literaturbetriebsüblichen Zündstufen" und legt einfach so ein großartig dichtes Buch über die Irrwege des Erinnerns hin, verkündet Rezensent Paul Jandl begeistert. "Legenden" erzählt aus einer Vielzahl von Perspektiven die Geschichte von Stanis, dem Helden eines unverorteten Dorfes - der Rezensent vermutet es in Polen -, der im Zweiten Weltkrieg unter den deutschen Besatzern der Retter zahlreicher Gefangener gewesen sein soll. Eine fantastische Geschichte, die Olkusz erst zu einem mythisch angehauchten "Gemälde aus Bildern, Tönen und Kitsch" ausstaffiert, um die Wahrheit dann Schicht um Schicht freizulegen, fasst Jandl zusammen. Dass sie dabei allem Raunenden ausweicht und "glasklar" bleibt, schätzt Jandl besonders hoch. Von Ferne erinnert ihn dieses Debüt an den tschechischen Autor Jachym Topol.
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