Der Sommer 2020 ist heiß und schön, und doch herrschen überall Angst und Verunsicherung - auch auf dem Wagenplatz, wo die Autorin wohnt und mit einem schweren Krankheitsverlauf kämpft. Kraft geben ihr die inneren Gespräche mit dem Vater, der als Mitglied der polnischen Untergrundarmee im Gulag interniert war. Seine Widerständigkeit hat sie geprägt. Ihr eigener Kampf um ein selbstbestimmtes Leben als queere Frau ist ähnlich und doch ganz anders. Kraft gibt ihr aber auch das gestrandete Krähenbaby Karl, für das sie sorgt, solange es nicht fliegen kann.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 01.11.2025
Rezensentin Cornelia Geißler staunt über Káska Brylas neuen Roman. Er erzählt aus der Perspektive einer der Autorin ähnelnden Hauptfigur, die nach einer Corona-Erkrankung isoliert in einer Art Wagenburg in Leipzig lebt, dort eine verletzte Krähe aufpäppelt und dabei anhand von Audioaufnahmen mit ihrem Vater über dessen Schicksal nachdenkt - er war während der deutschen Besetzung Polens im Widerstand und kam 1945 in ein sowjetisches Arbeitslager. Beeindruckend findet Geißler, wie gut diese verschiedenen Aspekte in Brylas Schreiben doch zusammenhalten: der Bewusstseinsstrom springe zwischen den väterlichen Erinnerungen und etwa Hautarztterminen hin und her, ohne zerfahren zu wirken - was Geißler im "gut strukturierten" Satzbau und in der isolierten Erzählposition der Protagonistin begründet sieht. Diese netzartige Struktur des Zusammenhaltens werde auch in den fehlenden Kommata im Titel gespiegelt. Ein so verletzliches wie robustes Buch, in dem auch politische Fragen der Gegenwart brodeln, meint Geißler anerkennend.
Rezensent Thomas Palzer findet, Kaska Bryla hat es sich etwas zu einfach gemacht mit ihrer Suada schlechter Nachrichten. Dass die Autorin die Long-Covid-Erkrankung ihrer in einem Trailer-Park lebenden queeren Protagonistin mit der Gulag-Geschichte von deren Vater und dem Schicksal einer verwaisten Krähe verschneidet, hält Palzer für schwierig, auch wenn alle drei Geschichten trist sind. So ein "Mainstream der Minderheiten" ist für Palzer einfach too much bzw. zu wenig, denn Erschütterung stellt sich beim Rezensenten nicht ein.
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