Als Texte für das Buch verwendet Gerhard Richter die Aufsätze der Fachzeitschrift "Waldung", Magazin für Wald, Wandern, Wissen, Nr. 1/2006. Alle Wörter wurden mit Hilfe eines Zufallsgenerators gemischt. Anschließend entfernte Richter Eigennamen sowie immer noch zu eindeutige Textpassagen. Der so entstandene unsinnige Text ist vom Vokabular her noch immer als ein Text über Wald erkennbar. Richter teilte den Satzspiegel in sieben horizontale Streifen, die er nach einem strengen Konzept anordnete, das er aber durch individuelle Eingriffe unterlief. Die 106 unterschiedlich besetzten Seiten füllen sich kontinuierlich mit Text, um nach der einzig voll belegten Seite in der Mitte wieder abzunehmen. Es ist ein Ein- und Ausblenden von Satzbildern. Die Fotografien sortierte Richter grob in Gruppen "feines Geäst, horizontal liegende Stämme, diagonal oder vertikal wachsende Bäume", die er mit den Textseiten zu einer Dramaturgie verteilte, die dem Buch Abwechslung und Spannung gibt. "Wald" ist als autonomes Künstlerbuch weit mehr als ein weiterer Tafelteil des Atlas. Es erschließt Analogien zu seinem Gesamtwerk.
"Fast schon antideutsch zu nennende Entscheidungen" hat Gerhard Richter in seinem Fotoband getroffen, freut sich Rezensent Cord Riechelmann. Denn anstatt - deutschtypisch - Nadelbäume als Motiv vor die Linse zu holen - von Caspar David Friedrich bis Neo Rauch hat man sich immer nur für Nadelbäume interessiert, weiß Riechelmann -, fotografiert Richter Laubbäume. Laubbäume, die bei Richter unter dem Begriff "Wald" - nicht Forst - gefasst werden, was Riechelmann aber nicht als antifranzösische Entscheidung verstanden wissen möchte. Außerordentlich ist Richter das Grün geraten, anerkennt Riechelmann und lobt die Lichtstudien und die Schönheit des spätherbstlichen Mooses. Einzig den Textteil, unkenntlich gemachte Ausschnitte aus dem Waldmagazin Waldung, hätte man näher erläutern müssen, kritisiert Riechelmann zum Schluss, denn ein Quellenverweis fehlt hier.
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