Unvergessliche Figuren hat Gerhard Polt im Lauf der Jahre geschaffen und diese immer wieder variiert. Nun fügt er seinem subversiven Panorama der Gegenwart neue Charaktere hinzu. Zur Sprache kommen u. a. ein "CSU-Sammler", der mit drei Originalbarthaaren aufwarten kann, ein empörter Wirtschaftskrimineller und ein Komponist, der sich von Mozart betrogen fühlt. In Polts störrischen Brandreden geht es immer um nichts weniger als sozusagen alles: um die Geschichte, die so weit zurückreicht, dass man's gar nicht fassen kann, um Weltreiche, die in sich zusammenbrechen, um Sprachverwirrung und um den kleinen Mann, der da immer mittendrin steht und angesichts des heillosen Durcheinanders der Welt nach Worten ringt. Die Illustrationen stammen von Reiner Zimnik.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.08.2008
Keine Frage, Thomas Thieringer ist ein eingefleischter Gerhard-Polt-Fan. Und so amüsiert er sich auch bestens bei der Lektüre von seinem neuen Buch, auch wenn ihm hin und wieder das Lachen im Hals stecken bleiben könnte. Drastisch geht es zu bei Polt, räumt der Rezensent ein, der auch wirklich "starken Tobak" aufgetischt sah. Aber scharfsinnige Satire darf das, findet Thieringer, denn Polt enthülle den schmalen Grat zwischen Alltag und Abgrund. Wie in den Fernseh-Satiren fühlt sich der Rezensent durch die 14 Monologe "tief in den gesellschaftlichen Sumpf gestoßen", wenn der Kabarettist seine Spitzen bayrisch-bierseeligen Mannsbildern in den Mund lege.
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