Gerhard Paul

Der Bilderkrieg

Inszenierungen, Bilder und Perspektiven der 'Operation Irakische Freiheit'
Cover: Der Bilderkrieg
Wallstein Verlag, Göttingen 2005
ISBN 9783892449805
Gebunden, 237 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Mit 21 farbigen Abbildungen. Wie kein Krieg zuvor war der Irak-Krieg von 2003/04 ein "Bilderkrieg", in dem die Kriegsparteien Bilder als Waffen einsetzten und via Bild kommunizierten. Im Anschluss an seine große Studie "Bilder des Krieges - Krieg der Bilder" (2004) untersucht der Flensburger Historiker und Sozialwissenschaftler Gerhard Paul erstmals und umfassend die visuelle Rüstungsspirale des Irak-Krieges, die in den Hinrichtungsvideos und den Horrorbildern aus Abu Ghraib und Falludscha ihren Gipfelpunkt erreichte. Er rekonstruiert die Planung und die Inszenierung des Angriffs als sauberen "Blitzkrieg", die symbolische Politik der Besetzung und Unterwerfung sowie die fotografischen Ikonen, die der Krieg produzierte. Paul untersucht die unterschiedlichen Perspektiven der Akteure - angefangen von den Militärs, über die "embedded correspondents" bis hin zu den Freelance-Reportern - auf das Geschehen und die vielfältigen "Bildstörungen" in Gestalt von Weblogs und Warblogs, die das gewünschte Kriegsbild immer wieder unterliefen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 11.02.2006

Überaus lesenwert erscheint Rezensent Claus Leggewie diese Fallstudie zur "Operation Irakische Freiheit", die der Historiker Gerhard Paul im Anschluss an sein Standardwerk "Bilder des Krieges - Krieg der Bilder" nun vorgelegt hat. Hier wie da beschäftige sich der Autor mit der Visualisierung des Krieges, als deren Kehrseite er das Unsichtbarwerden von Leid, Chaos, Tod und Gewalt sehe. Die "Operation Irakische Freiheit" deute Paul als einen "Bilderkrieg", der das militärische Geschehen ins Wohnzimmer übertragen sollte, aber eine nachhaltige Beschädigung des Vertrauens in die Beweiskraft der Bilder nach sich zog. Die einzelnen Kapitel von der Vorbereitung des Bilderkrieges, über die Inszenierung des nächtlichen "Blitzkrieg"-Feuerwerks und die Clips der "eingebetteten Journalisten" bis zum verfrüht gefeierten Sieg der Alliierten mit der Demontage der Herrschaftssymbole von Saddam Hussein und der Ergreifung des Diktators im Erdloch lobt Leggewie als "spannend geschrieben". Aufschlussreich erscheinen ihm die Kapitel über die von Paul so genannten Bildstörungen: die Gegenberichterstattung von al-Dschasira etwa das Auftauchen der Folterbilder aus Abu Ghraib. Insgesamt liefere Paul eine "dichte Beschreibung des Bilderkriegs", resümiert der Rezensent, "aber für eine Theorie reichen diese Beobachtungen noch nicht aus."

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.10.2005

Bilder von Digitalkameras, das Internet und Videos waren in keinem Krieg so präsent und meinungsbildend wie im Irakkrieg, stimmt Rudolf Walther dem Flensburger Historiker Gerhard Paul zu. Dieser beweise "akribisch die einzelnen Stufen der visuellen Eskalation", lobt der Rezensent, der auch ganz zutreffend findet, dass Paul seit dem ersten Golfkrieg von 1991 den "Übergang vom 'Zeitalter der Zensur' in jenes der 'Desinformation durch Überthematisierung'" vollzogen sieht. Die Medien waren sowohl von irakischer als auch von amerikanischer Seite überfüllt von professionellen und Amateur-Fotos und -Videos, doch Walther kritisiert einen "ärgerlichen" terminologischen Fehler. Seiner Meinung nach führe das Wort "Bilderkrieg" in die Irre. Hinter dem Propaganda-Krieg in den Medien fand ja tatsächlich ein Krieg mit verheerenden Folgen statt, der, aus der "gemütlichen Perspektive des Fernsehzuschauers" als "Bilderkrieg" verharmlost werde. Trotzdem empfiehlt Walther dieses Buch als eine "ebenso präzise wie kritische" Rekonstruktion.

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