Gerhard A. Ritter

Der Preis der Einheit

Die Wiedervereinigung und die Krise des Sozialstaats
Cover: Der Preis der Einheit
C. H. Beck Verlag, München 2006
ISBN 9783406549724
Gebunden, 541 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Die deutsche Einigung 1989/90 bildete eine tiefe Zäsur in der deutschen und europäischen Geschichte. Auf der Basis bisher unveröffentlichter Quellen und Interviews mit Zeitzeugen kann Gerhard Ritter zeigen, dass die Übertragung des relativ großzügigen westdeutschen Sozialsystems und seiner Institutionen auf die neuen Bundesländer und die damit verbundenen gewaltigen Transferleistungen die Rahmenbedingungen der deutschen Politik und Wirtschaft entscheidend veränderten und damit die Krise des Sozialstaates verschärften. Dieses Buch liefert die längst fällige gründliche Analyse des deutschen Eingungsprozesses in sozialpolitischer Hinsicht und ist zugleich eine einzigartige Dokumentation dieses Prozesses mit einem Schatz an authentischen Äußerungen der direkt daran Beteiligten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.02.2007

Als "Meisterwerk" würdigt Rezensent Rainer Blasius diese Studie über die deutsche Wirtschafts- und Sozialpolitik zwischen dem Fall der Mauer und der Bundestagswahl vom 1994, die Gerhard A. Ritter vorgelegt hat. Er lobt das Buch als akribische und quellenreiche Arbeit. Deutlich wird für ihn nicht nur die katastrophale Lage der ostdeutschen Wirtschaft, sondern auch die Bedeutung, die der sozialen Abfederung des wirtschaftlichen Umbruchs in der ehemaligen DDR zukam. Besonders instruktiv scheint Blasius zudem die Darstellung der Entstehung der Sozialunion und der Übertragung des Sozialstaats auf den Osten, die mit hohen finanziellen Lasten verbunden war und die strukturellen Probleme des Sozialstaates enorm verschärfte. Insgesamt betrachtet er das Werk als das "opus magnum" des Autors, dem er allerdings eine etwas bessere "Aufmachung" gewünscht hätte.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.01.2007

Allen Moden der Geschichtswissenschaft zum Trotz widmet sich Gerhard A. Ritter mit seinem Buch über die sozialstaatlichen Folgen der Wiedervereinigung der Sozialgeschichte und kann damit zeigen, wie ertrag- und erkenntnisreich dieser Ansatz ist, preist Rudolph Walter. Er räumt ein, dass die Lektüre nicht eben eine leichte ist, aber er ist überzeugt davon, dass dieses Buch sich als "Standardwerk" durchsetzen wird. Ritter kommt in seinem Buch zu dem ambivalenten Befund, dass sich die Situation vor allem des Rentensystems zwar extrem verschlechtert, der individuelle Lebensstandard der Menschen aus dem Osten aber insgesamt signifikant verbessert hat, so der Rezensent überzeugt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.12.2006

Gerhard Ritters Buch über den Sozialstaat in der deutschen Vereinigung hat Konrad Watrin rundum überzeugt. Deutlich wird für ihn der Zusammenhang zwischen den enormen finanziellen Lasten der Wiedervereinigung und der Verzögerung der Reformen des Sozialstaates. Den Preis der Einheit sieht er in der Verhinderung der Anpassung an vermeintliche oder tatsächliche Zwänge der Globalisierung. Er attestiert Ritter, den Vereinigungsprozess im Kontext der Veränderungen internationaler und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen sowie der innenpolitischen und sozialen Aspekte minutiös zu analysieren und die Sozialsysteme der alten BRD und der DDR bis hin zum Wandel des Sozialstaates unter den Bedingungen der Einheit akribisch zu vergleichen. Angesichtes der gigantischen Aufgabe gelange Ritter zu einer eher nachsichtigen Einschätzung des historisch beispiellosen Einigungsprozesses und seiner Akteure. Großen Respekt zeigt Watrin für die umfangreiche, mustergültige Quellenarbeit des Autors. Lobend erwähnt er zudem das überaus hilfreiche Personenregister.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.11.2006

Für Gerhard A. Ritter ist die deutsche Wiedervereinigung schuld an der Krise der Sozialsysteme, hält Wolfgang Kruse fest. Zwar mache der emeritierte Professor deutscher Sozialgeschichtswissenschaft die Globalisierung, die Entwicklung der Bevölkerungsstruktur und die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands als Ursachen für die problematische Situation des Sozialstaats aus, die Wiedervereinigung habe aber laut Autor die Überforderung der sozialen Sicherungssysteme zur Folge gehabt. Detailliert zeichnet der Rezensent die Analysen Ritters nach und würdigt den Autor als "ausgewiesenen Kenner" der Geschichte des Sozialstaats. Da es keine weiteren Anzeichen auf Werturteile gibt, darf der positive Tenor dieser Charakterisierung wohl auch auf das Buch ausgeweitet werden.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.09.2006

Als "ebenso informativ wie anregend" lobt Rezensent Warnfried Dettling dieses Buch über die Kosten der deutschen Wiedervereinigung, das der Historiker Gerhard Ritter vorgelegt hat. Das Buch unterscheidet sich für Dettling wohltuend von den vielen Publikationen, die Deutschland kurz vor dem Untergang wähnen. Er führt dies zum einen auf Ritters nüchterne, instruktive Beleuchtung der Hintergründe der damaligen Ereignisse zurück, zum anderen auf seine meisterliche Behandlung des Themas, die einen geschärften historischen Blick mit einer internationalen Perspektive verbindet. So werden neben den wirtschaftlichen, sozialen, rechtliche, innen- und außenpolitischen Rahmenbedingungen die Verhandlungen über die Sozialunion und die Sozialpolitik sowie schließlich der Wandel des deutschen Sozialstaats von 1990 bis 1994 analysiert. Für Dettling ist das Buch ein "brillanter Beitrag zur Reformdebatte" und ein Buch, "das den Leser klüger macht".