Gerd Langguth

Angela Merkel

Cover: Angela Merkel
dtv, München 2005
ISBN 9783423244855
Kartoniert, 400 Seiten, 14,50 EUR

Klappentext

Pfarrerstochter, Physikerin, früher als "Kohls Mädchen" und jetzt als "mächtiger Politboss" bezeichnet: Wer ist diese Frau, die Chancen hat, erste Kanzlerin der Bundesrepublik zu werden? Wie lebte sie als Bürgerin der DDR? Wie sehr wurde sie durch das Klima eines Pfarrhauses geprägt? War sie eine Angepasste des Systems oder hatte sie innerlich eine große Distanz zum realen Sozialismus der DDR? Warum konnte sie nach der Wende so schnell Karriere machen? Welche Niederlagen im Kampf um die Macht musste sie einstecken - und welche Siege hat sie gewonnen? Und schließlich: Welche Rolle spielt sie als Frau in einer von Männern dominierten Politik? Welchen geistig-politischen Standort hat sie, wer sind ihre Unterstützer, wer ihre Gegner?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.09.2005

Ulrike Ackermann hat drei Biografien Angela Merkels gelesen und stellt fest, dass sich die Lebensbeschreibungen aus männlicher und weiblicher Feder ab 1990 stark unterscheiden. Gerd Langguth zeichnet die CDU-Politikerin in ihren Jahren vor dem Mauerfall als "illusionslose Jungwissenschaftlerin", die zwischen öffentlichem und privatem Auftreten streng zu unterscheiden vermag. Ihrem Engagement als Parteivorsitzende, Fraktionsvorsitzende und schließlich Kanzlerkandidatin dagegen begegnet er "eher abschätzig", auch wenn er hie und da lobende Worte einstreut, bemerkt die Rezensentin. Während Biografinnen ihren Einsatz bei der Aufklärung der CDU-Spendenaffäre als mutigen Einsatz loben, beurteilt Langguth dies als "Akt der Illoyalität", teilt die Rezensentin mit und findet das offenbar nicht gerecht. Als richtig "ärgerlich" dagegen moniert sie die durch nichts belegten Stasi-Vorwürfe gegen Merkels Vater und überhaupt scheint ihr diese Biografie gar zu "schulmeisterlich und waghalsig psychologisierend". Herausgekommen ist ein "ressentimentgeladenes Porträt" einer "Frau ohne Vision", konstatiert Ackermann wenig begeistert.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.09.2005

Es fällt der öffentlichen Meinung nach wie vor schwer, sich auf Angela Merkel einen Reim zu machen. Der Politikwissenschaftler und CDU-Politiker Gerd Langguth verspricht mit seiner Biografie nun Abhilfe. Er kennt sich aus, mit der Partei, mit der Politik und er hat minutiös der Karriere der "nur begrenzt" kooperierenden Kanzlerkandidatin nachgeforscht. Das reicht von den Kämpfen mit Vater und Land in der Jugend in der DDR-Provinz über die von den Ereignissen des Jahres 1989 auf immer unterbrochene Laufbahn als Wissenschaftlerin bis in die Gegenwart. Gründe des Erfolgs sieht Langguth vor allem in Merkels "feinem Sensorium für das Machbare" sowie ihren "analytischen Fähigkeiten". Der Rezensent (Kürzel "de.") ist sehr angetan von der "sehr reichhaltigen" Darstellung, die sich ihre "kritische Distanz" zu bewahren verstehe. Schade findet er nur, dass der Band ohne Bilder auskommt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 27.08.2005

"Was will Merkel mehr als die Macht?" Und wie viel DDR steckt eigentlich noch in ihr? Die Figur der Angela Merkel gibt Fragen auf, und zur Klärung ebendieser Fragen empfiehlt der Rezensent Jens König gleich zwei neu erschienene Biografien - Gerd Langguths "Angela Merkel" und Evelyn Rolls "Die Erste" -, die zwar zu einer ähnlichen Einschätzung gelangen, dies jedoch auf "grundverschiedene" und sich ergänzende Weise zuwegebringen. Schon in der DDR sei Merkel aufgrund ihrer Herkunft (sie stammt aus einer protestantischen Pfarrersfamilie) eine Außenseiterin gewesen und habe brillieren müssen um sich zu behaupten oder überhaupt zu bestehen. Aus diesem ständigen, prägenden und mit Ehrgeiz gepaartem "Fremdheitsgefühl" erkläre sich ihre "Unnahbarkeit" und ihr "effizientes, 'kaltes' Politikverständnis". An Langguths Ausführungen haben dem Rezensenten die "wissenschaftliche Akribie" und die "kluge Analyse des CDU-Insiders" überzeugt, die in nüchternem und sachlichem Ton voranschreitet, dabei aber bisweilen droht, ins Langweilige abzurutschen. Kein gutes Haar allerdings lässt der Rezensent am Lektorat. Faktische Wiederholungen innerhalb weniger Seiten wurden zu tilgen versäumt, die ausufernd zahlreichen Fußnoten, die den Eindruck von Sorgfältigkeit erwecken soll, wertet er schlichtweg als "Wichtigtuerei beim Belegen von Allerweltsfakten", und insgesamt beschleicht ihn der Verdacht, dass Verlag und Autor von den vorgezogenen Neuwahlen überrumpelt wurden und das Buch zuende gehetzt haben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.08.2005

Durchwachsen findet Matthias Arning diese Biografie Angela Merkels von Gerd Langguth, Professor für Politische Wissenschaft in Bonn. Ein Problem des Buchs sieht er darin, dass Merkel dem Autor gerade mal ein Interview gewährt hat. Dieses Manko werde vor allem in den ersten Kapiteln offensichtlich, in denen sich Langguth mit Merkels frühen Jahren in der Uckermark befasse. So wirken Langguths Schilderungen der ersten Jahre auf Arning eher "hölzern". Zugestehen will er allerdings, dass Langguths Biografie an Kontur gewinnt, wenn es näher an die Gegenwart des Lebens von Angela Merkel gehe. Hier attestiert Arning den Ausführungen Langguths eine "gewisse Nähe", etwa wenn er die dramatische Entwicklung schildert, die zu dem berühmten Frühstück in Wolfratshausen im Privathaus des CSU-Vorsitzenden und bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber führte. Arning hebt hervor, dass es Langguth insgesamt nicht gelingt, "seine eigene Überraschung über den temporeichen Weg der Angela Merkel zu verstehen".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.07.2005

Warnfried Dettling ist von Gerd Langguths Studie zu "Angela Merkel" nur halb überzeugt. Und das kann man wörtlich verstehen. Eher enttäuscht wer er von dem biografischen Teil des Werkes. Hier versucht der Autor, so Dettling, Merkel psychoanalytisch zu durchleuchten, aufzuzeigen, wie ihre politische Haltung bedingt ist durch die Haltung des übermächtigen Vaters. An ihm habe sich Angela Merkel lebenslänglich abgearbeitet. Das alles ist dem Rezensenten zu spekulativ. Wesentlich besser findet den zweiten Teil der Studie, in dem auf das prekäre Verhältnis zwischen der Kanzlerkandidatin und ihrer Partei hingewiesen wird. Dieser Teil führt, so Dettling, tief hinein in ein Verständnis der CDU und sogar in Reflexionen über die Zukunft Europas. Hier sieht der Rezensent die Stärke des Buches: Es lädt den Leser dazu ein, auf politische Fragen politische Antworten zu suchen. Man könnte sagen, dass dem zweiten, politischen Teil des Buches zum Vorteil gereicht, was den ersten, den biografisch-psychohistorischen, problematisch machte: dass nämlich, bei aller faktischen Sättigung der Arbeit, "wichtige Fragen" offenbleiben.