Gerd Hankel

Völkermord

Überlegungen zu einem umkämpften Begriff
Cover: Völkermord
Hamburger Edition, Hamburg 2026
ISBN 9783987220081
Broschiert, 160 Seiten, 15,00 EUR

Klappentext

Der Begriff "Völkermord" spaltet. Dass ein Akteur einen Genozid begehe, ist der denkbar schwerste Vorwurf - entsprechend vehement fallen die Abwehrversuche aus. Wie ein Kainsmal kann das Verdikt über Generationen an Tätern und Täterstaaten haften. Umso wichtiger ist es, aktuelle Erweiterungen des Konzepts genau und skeptisch zu verfolgen.Was in entsprechenden Debatten oft in den Hintergrund gerät: Zuallererst geht es bei Völkermord um Mord, um Massenmord, begangen an einer bestimmten Bevölkerungsgruppe. Andere Handlungen, die nach der Völkermordkonvention ebenfalls unter den Tatbestand fallen, sich aber nicht auf die unmittelbare physische Vernichtung beziehen, sollten nur ergänzend hinzugezogen werden.Parolen wie "Nie wieder" oder "Nie wieder ist jetzt" polarisieren. Was einige für legitime Emphase halten, kann zulasten der begrifflichen Klarheit gehen. Eine Alles-oder-nichts-Haltung, die in ihrer Fokussierung auf den Völkermord-Vorwurf andere schwere Verstöße gegen das Völkerrecht, wie Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, zu Nebensächlichkeiten erklärt, muss kritisch hinterfragt werden. Dazu gibt dieser Essay eine Hilfestellung.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 21.08.2026

Rezensent Matthias Bertsch empfiehlt dieses Buch des Völkerrechtlers Gerd Hankel, auch wenn er nicht mit jeder These einverstanden ist. Auf so viel aber können sich Autor und Kritiker einigen: Der Holocaust ist nicht mit dem vergleichbar, was israelische Soldaten Palästinensern in Gaza angetan haben und antun. Die Singularität des Holocaust ist dabei der zentrale Punkt für Hankels Überlegungen, fährt der Rezensent fort, der durchaus auch mitgeht, wenn der Autor vor einem "inflationären Gebrauch" des Genozid-Begriffs warnt. Nur, räumt Bertsch ein, wenn die Singularität des Holocaust immer wieder betont wird, sei der Versuch anderer Opfergruppen nachvollziehbar, sich in dessen Nähe zu rücken, um Aufmerksamkeit zu generieren. Auch Hankels Überzeugung eines "vererbten Opferstatus" der Nachfahren von Holocaust-Überlebenden sieht Bertsch kritisch: Dies immunisiere nicht nur gegen Kritik, sondern mache die Juden auf diese Weise auch zu den ganz anderen, meint er.