Wie entwickelt sich ein Land nach einem Völkermord? Wie leben Täter und Opfer zusammen? Welche Wahrheit bildet das Fundament des Zusammenlebens? Und welcher Gebrauch wird von dieser Wahrheit nach innen bzw. nach außen gemacht? Mit welchem Erfolg? Über fast fünfzehn Jahre hinweg hat Gerd Hankel Ruanda und dessen Nachbarland, die Demokratische Republik Kongo, immer wieder besucht und dabei Antworten auf all diese Fragen gesucht. Das Bild, das er zeichnet, ist ernüchternd. Der Völkermord ist zu einem politischen Instrument geworden, das der Absicherung von Herrschaft dient. Nicht um Aufarbeitung und Versöhnung geht es, sondern um die Durchsetzung eines Geschichtsbildes, das keinen Widerspruch duldet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2017
Ganz vorzüglich findet Andreas Eckert dieses Buch des Völkerrechtlers Gerd Hankel, der ihn in seinem ganzen Misstrauen gegenüber Ruanda bestätigt. Dessen Präsident ist dem Rezensenten verdächtig. Im Land herrsche eine "scheinbar unspektaktuläre Normalität", raunt Eckert, dabei sei die Aufarbeitung des Völkermords eine ausgesprochen "ambivalente" Angelegenheit. Worin das große Unrecht besteht, das Kagame begeht, erfahren wir nicht. Eckert versichert jedoch, dass der Autor eindrücklich darstelle, dass es der Regierung gar nicht um Aufarbeitung, sondern um die Durchsetzung eines bestimmten Geschichtsbildes geht. Leider bringt er für diesen zentralen Punkt keinerlei Belege. Und wie der Autor es nun genau schafft, in einer "sachlichen" Analyse die "herrschende Clique um Präsident Kagame" als "äußerst zwielichtig" zu entlarven, wäre auch interessant gewesen.
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