Aus dem Französischen von Katja Meintel. Isaro wurde als Waisenkind aus Ruanda adoptiert und wuchs in Frankreich auf, wo sie inzwischen ein unbeschwertes Leben als Studentin führt. Dort erreichen sie mit zunehmender politischer Bewusstwerdung die Nachrichten über die Geschehnisse in ihrer ursprünglichen Heimat. Niko, von Geburt an stumm, ist ein eher schlichtes Gemüt - der Junge floh während des Krieges auf eine legendenumwobene Insel, versteckte sich vor den Menschen und lebte in einer Gruppe Affen. Isaro will verstehen, was 1994 eigentlich geschah, und reist nach Ruanda, um Berichte von Zeitzeugen zu sammeln. Niko hingegen will am liebsten vergessen. Doch beide müssen sich ihren Erinnerungen stellen. Mit den Fragen, wie man der Vergangenheit zu begegnen und mit ihr umzugehen hat, verknüpfen sich aber auch Fragen nach der Möglichkeit von Vergebung und eines Neubeginns.
Rezensentin Carla Baum hängt dem Roman und seinen Fragen noch lange nach. Inwieweit die erzählte Geschichte vom Genozid in Ruanda, den Opfern und Tätern und wie sie dazu wurden autobiografisch ist, scheint ihr weniger wichtig, als die Frage, wie menschlich man einen Massenmörder zeichnen sollte. Bis an die Schmerzgrenze scheint sie die Auseinandersetzung mit einer Außenseiterfigur im Text zu führen, deren Wandlung zum kaltblütigen Mörder Autor Gilbert Gatore beschreibt. Auch die Frage, ob der Autor es sich mit der Kausalkette nicht zu einfach macht, beschäftigt Baum. Gerade die dauernde Irritation beim Lesen aber scheint es zu sein, die sie so nachhaltig beeindruckt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.12.2014
Mit gemischten Gefühlen hat Rezensentin Angela Schader Gilbert Gatores Debütroman "Das lärmende Schweigen" gelesen. Durchaus verdienstvoll erscheint der Kritikerin Gatores Versuch, den Genozid in Ruanda von 1994 aus Opfer- und Tätersicht zu schildern, aber genau dort entdeckt sie auch das Problem: Zunächst begleitet sie die junge Isaro, die als Kind die Ermordung ihrer Eltern miterlebt und dann abgeschirmt von dem Grauen bei französischen Zieheltern aufwächst. Als junge Frau beginnt sie, in ihrer Heimat nach den Wurzeln des Genozids zu recherchieren und geht daran zugrunde. Zugleich erlebt Schader den stummen Niko, der völlig isoliert aufwächst, erst in einer Mörderbande Zugehörigkeit erlebt, und die Wut über seine erlebten Leiden in der Grausamkeit des Genozides auslebt. Dieser Sonderfall eines Täters erscheint der Kritikerin doch ein wenig zu speziell, darüber hinaus auch zu unreflektiert, als dass er als Erklärung für den "Blutrausch" des Genozids herhalten könne.
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