Dem Journalisten Michael Birnbaum ging es wie vielen vor ihm: Eher widerwillig nach Afrika gekommen, verfiel er binnen kurzem dem Zauber des dunklen Kontinents. Er machte sich auf, um über die eigentliche Tagespolitik hinaus die Länder zu erfahren und zu beschreiben: die Menschen in den Gegensätzen von modernen Städten und archaischem Land, die Tiere in der sogenannten "freien Wildbahn", die Weißen nach dem Ende des Kolonialismus. Er besuchte die letzten Könige und kaufte Sklaven frei; er untersuchte die Spirale der Gewalt in Ruanda und anderswo, ließ sich in die Mysterien der Stammesreligionen und der Wunderheiler einweihen. Das Bild von Afrika, seiner Politik wie seinen Menschen, gewinnt dadurch große Tiefenschärfe.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.11.2000
Mit kollegialer Hochachtung schreibt Thomas Scheen über dieses Buch des langjährigen Afrika-Korrespondenten der "Süddeutschen Zeitung". Manche der Reportagen, so betont Scheen dabei, erscheinen in diesem Band zum ersten Mal. Was er an Birnbaum schätzt, ist, dass er sich in seinen Reportagen nicht vordrängt, und nicht auf dem zum Teil abenteuerlichen Zustandekommen seiner Texte herumreitet, wie es in Reiseliteratur sonst oft der Fall ist: "Die Geschichte ist wichtig, nicht der Reporter", resümiert Scheen das klassische Journalisten-Ethos des Autors. Sehr positiv vermerkt Scheen auch, dass Birnbaum nicht die sattsam bekannten Klischees vom "Kontinent ohne Hoffnung" bedient. Dazu - so Scheen - kennt Birnbaum diesen Kontinent viel zu sehr aus eigener Anschauung. Scheen findet diese Haltung um so bemerkenswerter, weil Birnbaum in den neunziger Jahren aus Ruanda, Kongo, Sudan und Angola über viele schreckliche Geschehnisse zu berichten hatte.
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