Das Vermächtnis des großen Opernintendanten. Résumé seines Lebenswerkes. Bestandsaufnahme und leidenschaftliches Plädoyer für das Musiktheater. Mit einem Verzeichnis seiner Opernproduktionen. Mit diesem Buch zieht Gerard Mortier die Summe seines Lebenswerks. Er räumt darin mit den festgefahrenen und oft verstaubten Vorstellungen über die Kunstform Oper auf, denn sie ist für ihn weder dekoratives Beiwerk noch Ort der Zerstreuung, sondern entschieden politisch und ein Spiegel der "condition humaine". Mortier formuliert seine Überzeugungen und gibt Einblicke in die praktische Theaterarbeit mit großen Künstlern der Welt. Und er fordert dazu auf, den humanistischen Visionen und Utopien zu folgen, die seit der "Erfindung" der Oper ihren Wesenskern ausmachen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.04.2014
Gerard Mortiers Werk "Dramaturgie einer Leidenschaft" ist nun auch auf Deutsch erhältlich, jubelt Rezensentin Eleonore Büning, die diese Polemiken aus dem Nachlass des Intendanten nicht nur als Kampfschrift, sondern zugleich auch als Abschiedsgeschenk liest. Zwar folgt die Kritikerin hier den äußerst schlechten Prognosen Mortiers für die aktuelle Opernwelt, welcher der Intendant eine zu starke Fixierung auf Verkaufszahlen und zu wenig Interesse für zeitgenössische Werke attestiert. Zugleich liest sie aber mit großem Interesse Mortiers Thesen über die gesellschaftspolitische Bedeutung der Oper und seine Nachweise des sozialutopischen Potentzals in einem jeden Werk. Lobend erwähnt sie auch das eigens für den deutschen Markt hinzugefügte Kapitel über Verdi. Nicht zuletzt weil Büning manches Mal widersprechen möchte, hat sie nach der Lektüre das Gefühl, ein sehr angeregtes persönliches Gespräch mit Gerard Mortier geführt zu haben.
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