Aus dem Englischen von Lutz-W. Wolff. Mit einem Nachwort von Volker Ullrich. Zwischen März und November 1945 folgte George Orwell als Kriegsberichterstatter den alliierten Streitkräften durch Deutschland und Österreich. Seine Reportagen schildern frei von Triumph oder Hass, welche Zerstörung der Krieg über Städte, Länder und Menschen gebracht hat. Hier erscheinen sie erstmals geschlossen in deutscher Übersetzung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.12.2021
Heute, in einem Moment neuer ideologisierter Debatten, würde man sich einen teilnehmenden Beobachter wie George Orwell wieder wünschen, schreibt Rezensentin Juliane Liebert in ihrer sehr beeindruckten Kritik über Orwells Reportagen. Sie lobt vor allem seinen klaren, losgelösten Blick, etwa auf eine Szene, wo ein junger Jude direkt nach dem Krieg an einem SS-Offizier Rache nimmt, indem er ihm gegen den verletzten Fußknöchel tritt. Die Reflexionen über die unmögliche Rache, die wahrscheinlich auch dem jungen Juden keine Genugtuung brachte, leuchten der Rezensentin ein, obwohl sie Orwells Schlussfolgerungen nicht in jedem Punkt nachvollzieht. Eine erstaunliche Tatsache an dem Band liegt für sie übrigens darin, dass die Judenvernichtung bis auf diese kleine Nachkriegsepisode in Orwells Reportagen überhaupt keine Rolle spielt. Hier hätte sich die Rezensentin ein instruktiveres Nachwort gewünscht.
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