Mit 11 Abbildungen, 3 Tabellen und 3 Grafiken. Die Europäische Union steht in der Kritik. Ist diese Kritik gerechtfertigt oder entspringt sie einer allgemeinen Unzufriedenheit mit den Verhältnissen, die sich missmutig eine Adresse sucht und diese in "Brüssel" findet? Manches kann man an der EU zu Recht bemängeln: das Demokratiedefizit, die Bürokratie, die Konstruktionsschwäche des Euro, die fehlende Solidarität in der Flüchtlingspolitik u.a.m.
Georg Kreis begibt sich in die historischen Tiefen der EU-Geschichte und geht der Frage nach, warum sich die EU zu der Institution entwickelt hat, die sie heute ist, und wer dafür verantwortlich ist. Die Darstellung verknüpft Ausführungen zu den einzelnen Etappen der europäischen Integrationsgeschichte mit den juristischen, geschichts- und sozialwissenschaftlichen Debatten, die in den vergangenen Jahrzehnten rund um das Demokratiedefizit der EU und die europaweite Politikverdrossenheit geführt worden sind.
Kritiker der EU sollten diese Debatten kennen, wenn sie zur EU Stellung nehmen. Es fiele dann leichter, zu einem gerechten Urteil zu kommen und konstruktive Erwartungen an das europäische Gemeinschaftsprojekt zu richten.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.08.2018
Hier schreibt ein "Anwalt Europas", notiert Rezensent Christoph Wehrli und liefert eine insgesamt positive Kritik, auch wenn er selbst nicht die gleiche Begeisterung für das europäische Projekt aufzubringen scheint. Vor allem schätzt er, dass der Autor mal Bilanz zieht, sich alle Referenden ansieht, die es zum Beitritt und zu internen Fragen der EU gegeben hat (insgesamt 22, zehn davon mit negativem Ausgang) und die kritischen Argumente systematisiert: Zunächst werde vor allem die deutsche Fachliteratur resümiert, dann äußere sich Kreis zum ewigen Argument des angeblichen "Demokratiedefizits" und schließlich zur "konstruktiven Kritik" an einer EU, die es nicht schafft, sich zur politischen Union aufzuschwingen. Kreis scheint weiterhin in diese Richtung zu denken, der Rezensent mag ihm hier nicht folgen.
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