Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) war Physiker, Mathematiker, Astronom, Kunsthistoriker und Schriftsteller und gleichsam der Erfinder des Aphorismus. Egon Friedell, ein Verehrer und Geistesverwandter Lichtenbergs, hat 1910 ein "verkleinertes Bild seines Gedankenlebens" zusammengestellt, das hier endlich wieder vorliegt, und eine Tour d'Horizon bietet zu Themen wie "Der Selbstdenker", "Über Philosophie", "Zur Naturgeschichte der Seele", "Beobachtungen vom Menschen", "Vom Lesen" bis "Zur Politik", »"ber Physiognomik" und "Lebensmaximen".
Mit dem Titel dieses von Egon Friedell herausgegebenen Lichtenberg-Breviers kann Rezensent Franz Schuh nicht viel anfangen: Er zieht das "selbst Denken" dem "Denken mit" ganz eindeutig vor und weiß dabei Lichtenberg auf seiner Seite. Und wenn er den (an diesem Reihentitel schuldlosen) Herausgeber des Bandes auch selbst hoch schätzt, so schießt nach seinem Geschmack die Lobpreisung, die diesem im Nachwort zu Teil wird, doch übers Ziel hinaus. Dennoch findet er "genial", wie Friedell in seinem Vorwort Lichtenbergs "impressionistische" und augenblicksgebundene Denkweise darstellt und diese mit der über dem Augenblick stehenden Denkweise Kants kontrastiert. Diese Kombination von Friedell und Lichtenberg ist für Franz Schuh "etwas Besonderes".
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