Gay Talese

Du sollst begehren - Auf den Spuren der sexuellen Revolution

Cover: Du sollst begehren - Auf den Spuren der sexuellen Revolution
Rogner und Bernhard Verlag, Berlin 2007
ISBN 9783807710341
Gebunden, 672 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Gustav Stirner. Neun Jahre, von 1971 bis 1980, recherchierte Gay Talese für dieses Buch und setzte dafür sogar seine Ehe aufs Spiel. Er begleitete Hugh Hefner, den Gründer des Playboy, sprach mit Dr. Alex Comfort, dem Autor des Bestsellers "The Joy of Sex", er besuchte regelmäßig Massagesalons und lebte über Monate in einem Nudistencamp, in dem die freie Liebe propagiert und gelebt wurde. Mehrere Paare gewährten ihm über den gesamten Zeitraum Einblick in den Zustand ihres Ehelebens, ihre Affären, ihr Sexualleben, ihre Haltung zu Treue und Untreue. Talese war auf der Suche nach den Menschen und den Gründen, die in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg eine kulturelle Umwälzung in den USA ausgelöst hatten, wie es zuvor keine gab: die sexuelle Revolution.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.01.2008

Dies ist ein sehr lesenswertes Buch, das sei keine Frage, meint der Rezensent Stephan Wackwitz. Weil er es aber unmittelbar nach dem Roman "Fegefeuer der Eitelkeiten" der anderen New-Journalism-Ikone Tom Wolfe gelesen hat, ist ihm, fügt er hinzu, recht deutlich aufgegangen, wie die Methode des New Journalism funktioniert. Dem Gegenstand, um den es geht, nähern sich die Autoren per "Komplexitätsreduktion". Das journalistisch interessante Thema wird quasi als "Sonde" durch "Klassen, Schichten, Mentalitäten und Milieus" geführt, und zwar mithilfe von narrativen Personalisierungstechniken. In diesem Band etwa, in dem es um die Fährnisse des Erotischen im Amerika der fünfziger, sechziger und siebziger Jahre geht, spielt Hugh Hefner eine solche exemplarische Rolle. Erotik-Gurus dieser, aber auch früherer Zeiten, werden vorgestellt. Und je länger er las, desto weniger wollte Wackwitz dies Nach-Außen-Kehren sexueller Intimitäten als Akt der Befreiung vorkommen, eher als Beispiel für totalisierende "mikropolitische Herrschaftsansprüche". Trotz und dank Komplexitätsreduktion hat der Rezensent also an Einsichten reich die Lektüre dieses Buches beendet.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.01.2008

Ein "großes amerikanisches Sittenbild" erblickt Wilhelm Trapp in Gay Taleses 1981 erschienenem Buch über die sexuelle Revolution in den USA, das nun auf deutsch vorliegt. Es ist für ihn nicht einfach eine rückblickende Geschichte dieses gesellschaftlichen Wandels, sondern eine Reportage, für die der Autor über Jahre nicht nur recherchierte, sondern geradezu "in die Sache eintauchte". Talese habe etwa einen Massagesalon geleitet, in Sexkommunen gelebt und unzählige Interviews mit Akteuren der Liberalisierung - Pornoprodouzenten, Nacktstars und promisken Eheleuten - geführt. Dadurch wirkt das Buch für Trapp unmittelbar und spannend, wobei er unterstreicht, dass der Autor trotz seiner Nähe zum Geschehen stets mit Distanz über sein Thema schreibt. Dass Talese nicht die tieferen Ursachen der Befreiung zur Lust erforscht, empfindet Trapp eingedenk der historisch-theoretischen Sexualforschung von Freud bis Foucault eher als wohltuenden Vorzug. Zumal Talese bei aller dokumentarischen Stringenz höchst literarische Gestaltung ein "reicheres, aussagekräftigeres Tableau" biete, "als es jede Ursachenspekulation könnte". Deutlich wird für Trapp nicht zuletzt, dass die neu erkämpften Freiheiten rasch wieder von Geschäfstsinn, Vermarktung und Konvention eingeholt wurden.
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