Gamal al-Ghitani

Das Buch der Schicksale

Erzählungen
Cover: Das Buch der Schicksale
C.H. Beck Verlag, München 2001
ISBN 9783406480386
Gebunden, 406 Seiten, 24,50 EUR

Klappentext

Aus dem Arabischen übersetzt von Doris Kilias.Simple Storys auf Ägyptisch. Ägypten in den siebziger Jahren: Ein junger Student, Stolz der Familie, ergreift mit beiden Händen die Chance seines Lebens - er beginnt in einem der neuen großen Touristenhotels zu arbeiten. Mit den Gästen aus dem Westen wandeln sich die Arbeitsbedingungen und die Beziehungen zwischen den Menschen - der Student wird zum Gigolo. Es ist ein langsamer, kaum merkbarer, aber unaufhörlicher Prozess der Veränderung, der dazu führt, dass er schließlich staunend und fassungslos vor seinem eigenen Leben steht...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.11.2001

Katharina Rutschky äußert sich ein wenig skeptisch zu dem Roman von Al-Ghitani, wobei ihre Kritik sich weniger auf den Inhalt bezieht als darauf, dass dieser Roman ohne Hintergrundwissen über die Politik und "Literatursoziologie" Ägyptens in seinen wichtigsten Botschaften dem Leser verschlossen bleibe. Diesen Roman, der 12 Einzelschicksale aus der "Ära Sadat" beschreibt, findet die Rezensentin ziemlich deprimierend. Sie hat es selten erlebt, dass in einem Buch diesen Umfangs immer noch ein weiteres "Zentnergewicht der Depression" auf die schon vorhandene Traurigkeit gesetzt wird. Und das, trotz des "nüchternen" Tons mit dem Al-Ghitani erzähle. Rutschky hebt die schon fast "pathetische Einsamkeit" der Protagonisten hervor und findet es nicht überraschend, dass fast alle Figuren aus der bürgerlichen Mittelschicht Ägyptens stammen. Denn, so glaubt sie, die Traurigkeit kommt aus der zugrunde liegenden "Nostalgie" und der "Desillusionierung" gerade dieser Gesellschaftsschicht durch die Politik Sadats.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.10.2001

Stefan Weidner kann sich mit dem Erzählband "Das Buch der Schicksale" des ägyptischen Schriftstellers Gamal al-Ghitanis nicht wirklich anfreunden. Dies liegt zum einen schon an der Wahl des pathetischen Titels, ein allzu offensichtlicher Hinweis, dass fast alle Erzählungen mit "dem Tod oder der Verhaftung des Helden" enden. Auf weitere stilistische Plattitüden wie die Verwendung von "Kitsch- und Kolportageelementen" weist der Rezensent nachhaltig hin. Zum anderen vermisst Weidner die satirisch-amüsante Darstellung gesellschaftlicher Verhältnisse, die al-Ghitanis früheren Romanen wie "Seini Barakat" und "Der safranische Fluch" zugrunde liegt. Von dieser sei jetzt nichts mehr zu verspüren, ganz im Gegenteil: Der fortschrittlich gesinnte Autor ist für Weidner ins "Fahrwasser der Wehleidigkeit" geraten, so dass er seinen Blick für die wahren gesellschaftlichen Verhältnisse verloren habe - "Scheuklappenmentalität", so der Rezensent. Die in dem Werk enthaltene "maßlose Frustration" über die repressiven gesellschaftlichen Verhältnisse deutet Weidner als indirekten Vorwurf an die kapitalistische westliche Welt. Vielleicht ein weiterer Grund, meint Weidner, der es einem schwer macht sich mit diesem Buch anzufreunden.

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