Gabriele Tergit

Käsebier erobert den Kurfürstendamm

Roman
Cover: Käsebier erobert den Kurfürstendamm
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2016
ISBN 9783895614842
Gebunden, 400 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Nicole Henneberg. In sechs rauschhaften Wochen schrieb Gabriele Tergit ihren ersten Roman, der sie 1931 mit einem Schlag berühmt machte. Er erzählt von Aufstieg und Fall des Volkssängers Käsebier, den ein Zeitungsreporter in einem billigen Varieté entdeckt. Um Eindruck in seiner Redaktion zu machen, puscht er ihn zum Megastar hoch. Immobilienmakler und Spekulanten hängen sich an den schnellen Ruhm, die gelangweilten Damen der guten Gesellschaft pilgern in die Vorstellungen, Käsebier wird hemmungslos vermarktet. Gabriele Tergit, die erste deutsche Gerichtsreporterin, ist nicht nur eine unerbittlich genaue, sondern auch mitfühlende Beobachterin. Pointierte Dialoge machen neben der Schilderung der gesellschaftlichen Milieus - vom Tanzmädchen über den Tischlermeister bis zum Medienmogul - den Reiz ihres Romans aus. Ihr eigener Arbeitsplatz wird dabei besonders unter die Lupe genommen: die Kulturredaktion des "Berliner Tageblatts". Berlin, die weit östlich gelegene Stadt, war schon damals ein so idealer wie schwieriger Ort für Kreative.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 12.07.2016

Dorothee Wahl dankt dem Verlag dafür, dass er der Leserin die vor den Nazis geflohene kritische Berliner Journalistin Gabriele Tergit in Erinnerung bringt. Den erstmals 1931 erschienenen Roman hält sie für hochaktuell, behandelt er mit dem Aufstieg und Fall des Sängers Käsebier und den Themen Spekulation, Geldmacht, Oberflächlichkeit, Lobbyismus und Autoritätshörigkeit doch weiterhin wichtige Fragestellungen. Als Gesellschaftssatire angelegt, gibt der Text laut Wahl zudem Einblick in den Redaktionsalltag der Berliner Zeitung, dem Arbeitsplatz der Autorin, zur damaligen Zeit. Stilistisch ironisch-pointiert, aber stets empathisch die Schicksale der Figuren im Blick, so Wahl, übt Tergit humorvolle Gesellschaftskritik.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.04.2016

Für den Rezensenten Jens Bisky ist Gabriele Tergits Roman von 1931 ein Meisterwerk und ein Gegenwartsroman dazu. Die Geschichte um einen aufsteigenden Sängerstar am Ku'damm in Berlin, um das Kreieren einer Erfolgsgeschichte durch Werbung und allerhand Geschäftemacherei, scheint Bisky in Bann zu ziehen durch seine Frechheit und Frischheit, durch Jargon und direkte Rede und das Zeitbild einer Stadtgesellschaft, die ins Rutschen gerät. Letzteres macht den Text für Bisky vergleichbar mit Falladas "Fabian".
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 05.03.2016

Eine gelungene Zeitdiagnose der späten Weimarer Republik erkennt Marc Reichwein in Gabriele Tergits Roman von 1931. Dass die Geschichte über einen gehypeten Berliner Schlagersänger nun schon zum fünften Mal verlegt wird, will der Kritiker nicht als Zeichen mangelnder Qualität verstanden wissen. Vielmehr sei es ein Beleg dafür, dass im Buch "mehr Geschlechtervielfalt steckt als in Erich Kästners 'Fabian' und weniger Milieumief als in Falladas 'Kleiner Mann, was nun'". Tergits satirische Analyse des Medienbetriebs, der seine Helden aufbaut und wieder fallenlässt, sei im Grunde zeitlos, befindet Reichwein, mindestens aber auf heute übertragbar - auch wenn wir inzwischen um einiges geschulter im Umgang mit den Medien seien als die ersten Leser des Romans.