Josef Becker (Hg.)

Bismarcks spanische 'Diversion' 1870 und der preußisch-deutsche Reichsgründungskrieg

Band 3: Spanische 'Diversion', 'Emser Depesche' und Reichsgründungslegende bis zum Ende der Weimarer Republik
Cover: Bismarcks spanische 'Diversion' 1870 und der preußisch-deutsche Reichsgründungskrieg
Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2008
ISBN 9783506707208
Gebunden, 638 Seiten, 138,00 EUR

Klappentext

"Große Kriege der Geschichte werden zu großen Kriegen über die Geschichte" (M. Oren). Nach der Entlassung Bismarcks durch Wilhelm II. 1890 und im Zusammenhang mit den folgenden Enthüllungen des Reichsgründers über die Vorgänge um die "Emser Depesche" begann in Frankreich und im Deutschen Reich eine intensive Diskussion über die Ursachen des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71. Nach der Niederlage des Kaiserreichs im Ersten Weltkrieg, die in Deutschland nicht verstanden wurde und unverarbeitet blieb, wurde die Debatte während der Weimarer Republik in Verbindung mit dem Kampf gegen den "Kriegsschuldparagraphen" des Versailler Vertrags in verschärfter Form fortgeführt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.12.2008

Josef Beckers Quellenedition zur Rolle Otto von Bismarcks beim Reichsgründungskrieg zerstört nach Ansicht von Rezensent Johannes Willms den Mythos vom friedfertigen Reichskanzler. Die von dem Historiker mustergültig edierten Dokumente machen für ihn geradezu eine Revision des positiven Bismarck-Bildes, das Generationen von Historikern gemalt haben, notwendig, zeigen sie doch, dass dahinter "Verschweigen, Zensur, Manipulation und glatte Lüge" steckt. Eingehend führt er in seiner Besprechung vor Augen, wie Bismarck - seiner "diplomatischen Tarnsprache" zum Trotz - sich im preußisch-deutschen Konflikt mit Frankreich 1870 als Kriegstreiber betätigt hat. Lobend äußert er sich über die Sorgfalt, mit der Becker die Dokumente zusammengestellt, kommentiert und belegt hat. Die Quellensammlung belege "einwandfrei", so Willms, "was von Bismarck-Apologeten bislang stets nach dem fadenscheinigen Grundsatz bestritten wurde, was nicht in den Akten stehe, habe es nicht gegeben."
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.06.2008

Mit einiger Begeisterung begrüßt der hier rezensierende Historiker Hans-Ulrich Wehler diese "voluminöse Dokumentensammlung" über den deutsch-französischen Krieg von 1870/71. Er fand darin endlich zweifelsfrei den Anteil Bismarcks am Zustandekommen dieses folgenreichen Konflikts belegt, der Frankreich in die Rolle des Aggressors getrieben habe. Wehler feiert außerdem die "asketische Arbeit" des Historikers Josef Becker und seiner akribischen Archiv- und Quellenrecherche samt seiner daraus erfolgten Rekonstruktion verschiedener Entscheidungsverläufe. Beeindruckt notiert der Rezensent auch die Fülle fruchtbar gemachter Zeitzeugenberichte aus dem innersten Machtbereich Bismarcks und des diplomatischen Umfelds. Im Grunde lässt diese Dokumentation für Wehler keine Fragen zu diesem Konflikt mehr offen, da sie auch noch der zählebigsten Legende über die Schuldverhältnisse aus seiner Sicht endgültig den Garaus gemacht hat.
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