Nachdem der Sozialismus auf deutschem Boden gescheitert ist, ist nun auch das System der Sozialen Marktwirtschaft am Ende: Das "Modell Deutschland" verschwindet im Nebel der Geschichte - unwiderruflich. Auferstanden aus den Ruinen der Hitler-Jahre, weltweit beneidet, oft kopiert, hat es seit längerem schon aufgehört zu funktionieren. Das einstige Erfolgssystem hat sich selbst übersteuert. Gabor Steingart zieht eine pointierte und überraschende Schlussbilanz. Er analysiert Aufstieg und Absturz des Wohlfahrtsstaates, erzählt von Irrtümern, Mißverständnissen und den Bequemlichkeiten der politischen Elite. Alles zwingt uns zum Neustart. Vieles wird sich ändern in den kommenden Jahren: unsere Art zu arbeiten, zu leben, Politik zu machen. Die Summe der Neuerungen kommt einer zweiten Staatsgründung gleich. Das neue Deutschland - in diesem provozierenden Buch wird es sichtbar.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.06.2004
Gabor Steingart belasse es nicht dabei, den Gründen für den Abstieg des ehemaligen Wirtschaftswunderlandes Deutschland auf den Grund zu gehen, so der "ra" zeichnende Rezensent, sondern er entwickle konkrete Vorschläge dafür, wie diese Entwicklung zu stoppen sein könnte. Der Autor fordere "eine Art zweite Staatsgründung", die auf drei grundlegenden Veränderungen basiere: einer Föderalismusreform mit Einführung des Mehrheitswahlrechts, der Trennung von Arbeitsmarkt und Sozialstaat sowie eine neue Finanzierung von Gesundheits-, Pflege- und Altersvorsorge. Dem Rezensenten scheint die Argumentation Steingarts schlüssig, und sein einziges Bedauern gilt der Tatsache, dass mit der Umsetzung nicht längst begonnen worden sei.
So klar hat noch niemand gesagt, was Deutschland in den Ruin treiben wird, stellt Warnfried Dettling fest. "Gut geschrieben" werfe das neue Buch von Gabor Steingart die zentralen Fragen der Zeit auf: Was schief gelaufen ist in der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der Bundesrepublik, und was man tun könnte, um die "Chronologie des Niedergangs" zu unterbrechen. Das Buch ist damit mehr als ein "gelungenes Beispiel des anschwellenden Mainstreams" politischer Literatur, betont der Rezensent. Es sei wie ein "Gewittervogel", der den Wetterwechsel ankündigt. Steingarts "scharfsichtige" Analyse in "neuer Tonart" sei ein wichtiges Dokument für gegenwärtige Entwicklungen. Aber, hier kommt Dettlings Einwand, das Buch bahnt auch einen Weg "hin zu einem Primat der Ökonomie, der keinerlei Rücksichten mehr nimmt auf kulturelle und gesellschaftliche Zusammenhänge". Vertrauen in die Zukunft schaffe es so leider nicht.
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