Franz-Xaver Kaufmann

Varianten des Wohlfahrtsstaats

Der deutsche Sozialstaat im internationalen Vergleich

Klappentext

Die Vielfalt nationaler Entwicklungen im Sozialwesen sowie die daraus resultierenden Modelle wohlfahrtsstaatlicher Traditionsbildung werden in sechs eigenständigen, vergleichend aufgebauten Studien zur Sowjetunion, den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Schweden, Frankreich und Deutschland nachgezeichnet. Vergleichsdimensionen sind: das Verhältnis von Staat und Gesellschaft, Wirtschaftssystem und industrielle Beziehungen, Leitprobleme der jeweiligen Sozialpolitik, Einkommenssicherungssysteme und soziale Dienste. Das Werk stellt eine ergänzte Version der im Rahmen der Geschichte der Sozialpolitik seit 1945, Bd. 1: Grundlagen der Sozialpolitik (2001) erschienenen Abhandlung dar und eignet sich auch als Einführung in diese komplexe Materie

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 23.09.2003

Franz-Xaver Kaufmanns "Varianten des Wohlfahrtsstaats" hat Rezensentin Ulrike Herrmann angenehm überrascht. Zur Freude der Rezensentin ist Kaufmanns Buch kein weiterer Ratgeber darüber, wie Deutschland dem viel beklagten "Reformstau" entkommen soll. Auch das derzeit so beliebte internationale Vergleichen von Wirtschaftsdaten, das "Benchmarking", ist Kaufmanns Sache nicht, berichtet Herrmann. Dem Soziologen gehe es vielmehr darum zu zeigen, wie "nationale Eigensinnigkeiten" die Entwicklung von Sozialsystemen prägen. Wie Herrmann ausführt, untersucht Kaufmann dazu die historisch ganz unterschiedlichen Ausbildungen des Wohlfahrtsstaats in der Sowjetunion, der USA, Großbritannien, Frankreich, Schweden und Deutschland und kommt zu dem Schluss, dass die "Varianten des Wohlfahrtsstaats" bestehen bleiben werden - trotz der europäischen Integration. Etwas bedauerlich findet Herrmann allerdings, dass die Zahlen, die Kaufmann verwendet, oft stark veraltet sind.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.07.2003

Die Regeln der Ökonomie diktieren nach Ansicht von Rezensent Thomas Schramme heute die Form des Gemeinwesens. Dass dies einmal anders war, zeige Franz-Xaver Kaufmanns Vergleich von Wohlfahrtsstaaten, wie der beeindruckte Schramme erklärt. Ohne den Leser mit Zahlen und Statistiken zu langweilen, schildere Kaufmann im historischen Überblick die institutionellen Entwicklungen in Großbritannien, Frankreich, Schweden und schließlich Deutschland, wobei die USA und die Sowjetunion als Kontrastfolie gegenüber den europäischen Varianten des Wohlfahrtsstaats dienten, lobt Schramme. Er hebt hervor, dass sich Kaufmann vor allem für die historischen Prägungen und nationalen Eigenheiten interessiert und auf die kulturelle Dimension der Sozialpolitik aufmerksam macht. Auffällig am deutschen Sozialstaat sei etwa die große historische Kontinuität, die Kaufmann mit dem gesellschaftlich vorherrschenden Konsens erkläre, wonach sozialpolitische Eingriffe prinzipiell als legitim gelten, solange sie marktkonform bleiben. Bei der Lektüre des Buches überkommt einen laut Schramme eine "wachsende Missstimmung" gegenüber der aktuellen politischen Debatte in Deutschland. Deutlich werde nämlich, dass einige Vorschläge zur Reform des deutschen Sozialstaats angebliche Sachzwänge vorschieben, "wo doch in Wirklichkeit spezifische Interessen vorherrschen".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.07.2003

"Der Mann versteht etwas von Eseln", kommentiert Elisabeth von Thadden die neue Studie des Zürcher Sozialwissenschaftlers gänzlich unironisch. Mit dem Esel ist in diesem Fall der störrische, erschöpfte Sozialstaat gemeint, der, wie die Rezensentin meint, "eine anspruchsvolle Gesellschaft trägt", mit all ihren Problemen. In Kaufmanns Buch lässt sich, lobt sie, viel nachlesen über die Wirtschafts- und Sozialpolitiken europäischer Staaten, der Sowjetunion und der USA, die jeweils skizziert und anschließend mit dem deutschen Sozialstaat verglichen werden. Spezifisch deutsche Besonderheiten seien zum Beispiel der Facharbeiter als Ernährer der Familie, die aus dem preußischen Erbe übriggebliebene Staatsfixiertheit und die "Hausfrauenehe. Dass Bildung in Deutschland von Sozialpolitik getrennt werde, sei außerdem eine wichtige Ursache sozialer Ungleichheit, wie Kaufmann betone. Nüchtern analysierend diagnostiziert Kaufmann in Deutschland eine "gewaltige Modernisierungslücke" auf Kosten von Bildung und Familie, schreibt von Thadden. Insgesamt empfiehlt sie die Studie als "grundlegendes Kompendium für jeden, dem die soziale Frage in Europa am Herzen liegt".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.07.2003

Hellauf begeistert ist Jürgen Kaube von Franz-Xaver Kaufmanns internationalem Vergleich der Wohlfahrtsstaaten. Denn für Kaube scheint klar zu sein, dass noch vor Parlamentarismus und liberalem Rechtsstaat das System der sozialen Vorsorge die prägende Kraft heutiger politischer Organisation ist. Schließlich diene seit dem 19. Jahrhundert Sozialpolitik zur Besänftigung innenpolitischer Konflikte. Die verschiedenen Varianten des Wohlfahrtsstaates ergeben sich daraus, fasst Kaube Kaufmanns Erläuterungen zusammen, dass die englische Arbeiterschaft eine andere war als die deutsche, schwedische Eliten andere Sorgen hatten als französische oder der Loyalitätsbedarf in den Vereinigten Staaten sich von dem in Deutschland oder der Sowjetunion unterschied. "In aller wünschenswerten Dichte" informiert Kaufmann über die sozialen Sicherungssysteme in den verschiedenen Ländern, lobt Kaube und nennt das Buch darüber hinaus "beeindruckend klar und gedankenanregend".
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