Gerade siebzehnjährig wird der Lübecker Handwerkslehrling Fritz Bringmann von der Gestapo verhaftet, gefoltert und in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und später Neuengamme inhaftiert. Bereits als Sechzehnjähriger hatte der Sohn einer sozialdemokratischen Arbeiterfamilie begonnen, antifaschistischen Widerstand zu organisieren. In seinen Erinnerungen schildert Fritz Bringmann seine Beweggründe, dem Naziregime Widerstand zu leisten, seine Erfahrungen als Häftlingssanitäter in Sachsenhausen und Neuengamme, wo er neben der unmenschlichen Behandlung durch die SS auch große Solidarität der Gefangenen erfährt und schließlich Kommunist wird, und die Zeit bei der 2. SS-Baubrigade in Osnabrück und Bremen bis zu seiner Flucht 1944. Aber auch über den hoffnungsvollen Neubeginn 1945 wird berichtet, den Aufbau der FDJ in Lübeck und das Engagement für ein demokratisches, einheitliches Deutschland...
Distanziert, aber mit deutlichem Respekt stellt Rudolf Walther den tragischen Lebensweg des Antifaschisten Fritz Bringmann vor, der 1935 als 17-Jähriger von den Nazis zunächst ins Zuchthaus, dann bis zum Kriegsende in verschiedene KZ gesteckt worden ist. Die Zeit nach 1945 war für Bringemann und seine vielköpfige, politisch aktive Familie keineswegs eine friedliche. Durch sein prokommunistisches Engagement wurden sie mit dem greisen, halbblinden Vater aus der zugewiesenen Wohnung geschmissen, später folgten diverse Vorladungen, Befragungen, Gerichtsprozesse und andere Repressalien. Erst im Jahr 2000 wurde ihm von höchster Stelle Anerkennung für seine Lebensleistung zuteil und das Bundesverdienstkreuz zugesprochen, jene Auszeichnung, die ihm die Regierung Kohl trotz vielfacher Fürsprache verweigert hatte. Bringmanns Erinnerungen kämen ohne Pathos daher, dafür aber mit einer Menge politischer Wertungen, angesichts derer sich der Rezensent heftig die Augen hat reiben müssen. Die Stärken des Buchs lägen also "nicht in der historischen Darstellung, sondern in der lapidaren Einfachheit, mit der sich einer an die Zeit erinnert, in der er täglich mit einem Bein bereits im Grab stand".
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