Vielen Zürchern gilt er als Hohepriester der Lustfeindlichkeit. Dabei hat er eine Prostituierte besucht, Musik geliebt und für soziale Gerechtigkeit gekämpft. Die Rede ist von Ulrich Zwingli (1484-1531), ab 1519 Leutpriester im Großmünster in Zürich und Wegbereiter des reformierten Protestantismus.
Die leicht lesbare, moderne Zwingli-Biografie von Franz Rueb rückt den Reformator in ein neues Licht. Es entsteht das Bild eines widerständigen Geistes, der aber über grosses politisches Gespür verfügte und dem Leben durchaus zugewandt war. Im Gegensatz zu den meisten bisherigen Zwingli-Darstellungen liegt der Fokus auf der Reformationspolitik und auf den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen, welche die Reformation in der Schweiz begleiteten und überhaupt erst ermöglichten.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.11.2016
Ob sich die jahrhundertealte Bild von Ulrich Zwingli als Lustfeindlichem Reformator revidieren lässt? Niklaus Peter wagt mit zwei Neuerscheinungen über Zwingli den Selbstversuch: mit Peter Opitz' knapper, nüchterner und sehr informativer Arbeit und Franz Ruebs eher erzählerisch ausführlichem Werk. Antihumanismus, Kulturfeindlichkeit, Humorlosigkeit und Verstocktheit werden dem Schweizer gern vorgeworfen, weiß der Kritiker, Eindrücke, die von den zwei einzigen Gemälden unterstützt werden, die von Zwingli existieren. Doch tatsächlich fühlt sich Peter mit Opitz' und Ruebs lesenswerten Büchern eines besseren belehrt. Besonders in gegenseitiger Ergänzung entsteht ein ganz neues Bild dieses Mannes, versichert der begeisterte Rezensent, eines Mannes, der die Musik liebt und die Frauen, eines Selbstkritikers, ehrlich, willensstark, fehlbar, mit einem starken Sinn für Gerechtigkeit. Wo es dem einen Buch an Spannung fehlt, füge sie das andere hinzu, wo es diesem an Tiefenschärfe mangelt, ergänze jenes, freut sich der Rezensent.
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