Am 6. April 1940 wurde in Bukarest das erste Deutsche Wissenschaftliche Institut (DWI) eröffnet, dem schon bald Schwesterinstitute in fast allen europäischen Hauptstädten folgten. Damit wurde eine neue Einrichtung geschaffen, die in neutralen, verbündeten und besetzten Ländern Europas mit den Mitteln der Wissenschaft, Kunst und Kultur für das nationalsozialistische Deutschland und seine Interessen werben sollte. Diese Kulturarbeit sollte nicht nur die geistigen Eliten der anderen Länder beeinflussen, sondern die "geistige Führung" Deutschlands in Europa fördern. Frank-Rutger Hausmann zeichnet zunächst die Leitlinien der auswärtigen Kulturpolitik des nationalsozialistischen Deutschland nach und beschreibt dann die Strukturen der DWI.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.01.2002
Für Stefan Rebenich ist der Freiburger Romanist Hausmann ein Fachmann auf seinem Gebiet: nach einer Geschichte der "Deutschen Geisteswissenschaften im Zweiten Weltkrieg" und einer "Geschichte der Romanistik im Dritten Reich" legt der Autor nun eine Geschichte der "Deutschen Wissenschaftlichen Institute im zweiten Weltkrieg " vor, die man sich als eine Art Vorläufer der Goethe-Institute vorzustellen hat und mit denen das nationalsozialistische Regime im Ausland renommieren und Propaganda treiben wollte. Scheinbar neutral, weil von hochrangigen Akademikern geleitet, richtete man insgesamt 16 solcher Institute in neutralen, verbündeten oder besetzten Ländern ein, wie Rebenich berichtet. Es gab Akademiker- und Künstleraustausch, Sprachkurse, lokale Forschungsschwerpunkte, und überall tauchten illustre Namen auf, die im bundesrepublikanischen Wissenschaftsbetrieb erneut eine Rolle spielen sollten. Für Rebenich liest sich Hausmannns Untersuchung als "Parabel der deutschen Wissenschaft im NS-Staat": die Wissenschaftler - von Heisenberg, Schelsky bis Gadamer - ließen sich wissentlich für die nationalsozialistische Kulturpolitik einspannen.
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