Hartmut Lehmann, Otto Gerhard Oexle (Hg.)

Nationalsozialismus in den Kulturwissenschaften

Band 1: Fächer - Milieus - Karrieren
Vandenhoeck und Ruprecht Verlag, Göttingen 2004
ISBN 9783525351987
Gebunden, 683 Seiten, 92,00 EUR

Klappentext

Mit dem 42. Deutschen Historikertag im September 1998 in Frankfurt begann eine großes Aufsehen erregende Debatte über das Verhalten von Wissenschaftlern, insbesondere Historikern, im Dritten Reich. Diese Debatte hat in den letzten Jahre außerordentlich viel Neues zutage gefördert. Das Max-Planck-Institut für Geschichte dokumentiert in einer Folge von drei Bänden für die Gesamtheit der Kulturwissenschaften deren Vernetzungen und Verflechtungen mit dem Nationalsozialismus. Der erste, hier angezeigte Band konzentriert sich auf Fächer, Milieus und Karrieren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.10.2004

Das Beste fand Gerrith Walther ganz zum Schluss. Dort tauchte endlich das dem Rezensenten ultimativ einleuchtende Argument ein, warum die Kulturwissenschaftler sich im Dritten Reich dem Regime andienten, warum sie kuschten, den Machthabern brav die Stange hielten: Weil sie endlich einmal jemand waren! Das eliminierte ihren geisteswissenschaftlichen Minderwertigkeitskomplex. "Vermarktungswahn", nennt das der Rezensent. Und sonst? Es scheint, dass Walther das von Hartmut Lehmann und Otto Gerhard Oexle herausgegebene "Nationalsozialismus in den Kulturwissenschaften" stellenweise etwas redundant, auch zu lang findet. Gleichwohl nennt er das "wuchtige" Buch "ehrenwert", und dass die Autoren "gedanklich" kein Ende fänden, spreche für sie. Verurteilen mag keiner der Beiträger die Kulturwissenschaftler von damals, zu ambivalent waren die Haltungen. Das Werk begreift sich als Auftakt einer "Art Enzyklopädie zur Rolle deutscher Kulturwissenschaftler im nationalsozialistischen Regime". Mit von der Partie sind unter anderem Michael Stolleis, Frank-Rutger Hausmann, Pamela M. Potter, Eike Wolgast, Ingo Haar, Hans Freyer, Jan M. Piskorski, Ansgar Frenken und Anne Christine Nagel.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.09.2004

Sehr verdienstvoll findet Stefan Rebenich diesen Band, der aus mehreren, zwischen 2000 und 2002 veranstalteten Tagungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte zum Thema "Nationalsozialismus in den Kulturwissenschaften" hervorgegangen ist. Der Band, der erste von dreien, zeichne ein "differenziertes Bild" wichtiger Kulturwissenschaften und ihrer Repräsentanten im Dritten Reich. Die Beiträge verbänden Mikro- und Makroskopie, Personen- und Strukturgeschichte. Rebenich berichtet über die Geschichte der einzelnen Disziplinen und über die involvierten Personen, zumeist protestantische Universitätsprofessoren, die vor 1933 mehrheitlich politisch konservativ waren, die demokratische Verfassung ablehnten, sich nach 1945 aber oft genug als Opfer stilisierten. Dass die Gesamtheit der Kulturwissenschaften nicht erfasst werden konnte, sondern eine exemplarische Auswahl notwendig war, findet er zwar bedauerlich, aber verständlich. Dennoch bleibe gerade bei der Darstellung der Fächer manche Lücke schmerzlich. So hätten etwa die Kunstgeschichte, die Altertumswissenschaften und die Philosophie auf Grund ihrer inner- und außeruniversitären Bedeutung der Behandlung bedurft. Nichtsdestoweniger fällt Rebenichs Urteil positiv aus: Der Band öffne den Blick über die Geschichtswissenschaft hinaus auf die Kulturwissenschaften, bilde den Stand der fachspezifischen Diskussionen zuverlässig ab und fördere viel Neues zutage.
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