Frank Bösch

Das konservative Milieu

Vereinskultur und lokale Sammlungspolitik in ost- und westdeutschen Regionen (1900-1960)
Cover: Das konservative Milieu
Wallstein Verlag, Göttingen 2002
ISBN 9783892445012
Gebunden, 272 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Unter Mitarbeit von Helge Matthiesen. Bücher über die großen konservativen Denker füllen mittlerweile ganze Bibliotheken. Dagegen wurde bisher kaum untersucht, wie sich der Konservatismus im 20. Jahrhundert vor Ort entfaltete. Frank Bösch geht der Frage nach, welche gesellschaftlichen Bindungen konservative Parteien im Wandel der Staatsformen entwickelten - vom Kaiserreich über den Nationalsozialismus bis hin zur SED-Diktatur und der frühen Bundesrepublik.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.11.2002

Frank Bösch präsentiert eine "instruktive" Studie über das konservative Milieu, das der Göttinger Historiker am Beispiel der Städte Celle und Greifswald untersucht hat. lobt Markus Mohr. Interessant sei vor allem, meint der Rezensent, der Regionenvergleich, der Gemeinsamkeiten und Unterschiede der jeweils konservativen Milieus aufzeige. So seien die Konservativen, referiert Mohr, zwar weniger organisiert als die Linken gewesen, hätten ihre Integrationskraft aber auf ganz anderen Ebenen, beispielsweise im Vereinswesen oder über die Kirchen, entfaltet. Seinem Anspruch, eine "politische Sozialgeschichte des Konservatismus" zu verfassen, sei der Autor durch Detailfülle und "ganz vorzügliche" Lesbarkeit durchaus gerecht geworden, meint der Rezensent, bemängelt aber, dass er nicht berücksichtigt habe, dass antisemitische Elemente des Konservatismus eine äußerst wichtige Brücke zwischen Nationalsozialisten und Konservativen geschlagen hatten. So weit voneinander entfernt, wie diese Studie es nahe lege, seien beide politischen Lager nämlich nicht, denkt Mohr.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.06.2002

Wolfram Pyta äußert sich zustimmend über die Untersuchung des Konservatismus im norddeutschen protestantischen Milieu. Er findet es lobenswert, dass der Autor sich auf die Vereinskultur konzentriert und zudem einen Schwerpunkt auf die Untersuchung der zwei Kleinstädte Celle und Greifswald legt, auch wenn er sich gewünscht hätte, Bösch hätte dieses Vorhaben "deutlicher markiert". Ansonsten lobt der Rezensent dieses Buch ohne Einschränkung. Insbesondere preist er als "besondere Stärke" der Herangehensweise, dass der Autor die parteipolitische Ausprägung des Konservatismus durch fünfzig Jahre hindurch verfolgt. Pyta lobt auch ausdrücklich die genaue Untersuchung der CDU-Politik, die erfolgreich in den 50er und 60er Jahren dieses konservative Milieu für sich zu nutzen verstand. Insgesamt lobt er die Studie als "überaus anregend", wobei ihn besonders freut, dass sie auch noch "packend geschrieben" ist.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.03.2002

Den Namen Frank Bösch, Göttinger Historiker, Jahrgang 1969, "wird man sich merken müssen", ist Warnfried Dettling überzeugt. Der Autor zeige "ganz ohne pädagogischen Zeigefinger, wie man aus der Geschichte lernen" könne, schwärmt der Rezensent. Dem konservativen Milieu im allgemeinen hat Bösch eine Studie gewidmet, die Dettling ebenso "glänzend" findet wie schon seine Analyse der CDU ("Macht und Machtverlust"). Vorliegende Studie nun sei ein "Exempel lokaler Geschichts- und Gesellschaftsforschung". An den Beispielen Celle und Greifswald werde anschaulich verdeutlicht, wie über alle Einschnitte des 20. Jahrhunderts hinweg die" ländlich-protestantische Welt Norddeutschlands" zur Entwicklung einer "eigenen Sozialmoral" beigetragen habe, die sowohl die Alltagskultur als auch ein "starkes soziales Netz" ausprägte.

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