Frank Böckelmann

Risiko, also bin ich

Von Lust und Last des selbstbestimmten Lebens
Cover: Risiko, also bin ich
Galiani Verlag, Berlin 2011
ISBN 9783869710341
Gebunden, 320 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Das Leben kann man nicht versichern. 120 Spaziergänge in einen Wald, den man vor lauter Bäumen nicht sieht. Vom Abschluss einer Versicherung bis zum Besuch einer Vorsorgeuntersuchung, vom Ehevertrag ohne Gütertrennung bis zur Altersvorsorge nach Riester, von der Buchung des Feriendomizils per Internet bis zur Wahl der Geldanlage - der moderne Mensch muss am laufenden Band Entscheidungen treffen, die eigentlich seinen Horizont übersteigen. War es früher gesellschaftlicher Konsens, zu heiraten, Kinder zu bekommen und Häuser zu bauen, ist heute nichts mehr allgemeinverbindlich. Und ständig ist man gezwungen, bei mangelndem Kenntnisstand über Risiken und Nebenwirkungen, weitreichende Entscheidungen zu treffen.
Freilich steht ein Heer von Beratern bereit - doch helfen sie wirklich? Die Betreuung durch einen Scheidungsanwalt löst häufig den totalen Streit erst richtig aus; die Berater neigen dazu, ihre Klientel in Abhängigkeit zu halten und eher auf Nummer sicher zu gehen. Die Kultur des lustbetonten Risikos hat bei ihnen keine Chance. Frank Böckelmann hat sich in das Meer entscheidungsträchtiger Alltagssituationen gestürzt und ist ihren wirklichen Knackpunkten auf den Grund gegangen. Mit großer Sprachlust kitzelt er so manches Problem, bis es niest. Viele Schwierigkeiten lösen sich dabei in Luft auf, aber oft gilt es auch, das Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen und lustvoll Neues zu wagen. Das inspirierte Risiko birgt mehr Lebensqualität als mancher bisher annahm.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.08.2011

Was der ehemalige linke Aktivist und rührige Publizist Frank Böckelmann den unter dem Druck der Selbstverwirklichung ächzenden Zeitgenossen unter Stichworten wie "Coaching", "Mobiltelefon" oder "Alterssicherung" rät, findet Oliver Müller offensichtlich gerade wegen seiner "negativ-anthropologischen" Herangehensweise kurzweilig zu lesen. Er folgt dem Autor auch recht willig in seine "anthropotechnischen" Sabotagevorschläge, die darauf zielten, sich den beständigen Selbstoptimierungsforderungen, die an das moderne Individuum gestellt werden, zu entziehen. Nur fragt sich der Rezensent - nicht ganz ernst - am Ende, ob nicht Böckelmanns Vorschläge, sich in Gelassenheit zu üben und dem Unwägbaren zu überlassen, letztlich nicht zu neuer Überforderung führen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.08.2011

Eingenommen ist Georg Brunold für Frank Böckelmanns "Risiko, also bin ich". Die 121 Artikel über Dinge wie Alterssicherung, Bergsteigen, Bloggen, Designerdrogen, Diät, Fitnesstraining, Geldanlage, Karriereberatung, Mobiltelefon, Psychotherapie, Reisen, Schönheitsoperationen, Sterbehilfe und Vereinstätigkeit und so weiter decken für ihn ein weites Spektrum des Selbstmanagements ab, dessen Gefahren der Autor ebenso klug wie unterhaltsam erläutert. Die Kritik an der Effizienzsteigerung, an Anwälten, Beratern und Psychotherapeuten fällt in seinen Augen "verschmitzt", aber nie zynisch aus. Und trotz der Fülle der Einsichten über Selbstmanagement, Therapie und aktive Lebensgestaltung findet er das Buch durchaus entspannend.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.06.2011

Ah, jetzt kann Oliver Pfohlmann guten Gewissens ins Offene leben und auf die Altersvorsorge pfeifen! Der Kulturwissenschaftler rät es ihm. Denn: No risk, no fun, wie es heißt. Aber Frank Böckelmann hat noch trifftigere Gründe: Die Therapeutenmafia etwa oder teure Scheidungsanwälte. Zu dumm, genau da schöpft Pfohlmann nämlich Ideologieverdacht. Der Autor wird selbst zum Antitherapeuten-Therapeut. Dann doch lieber mal ganz locker und unverkrampft nicht zur Schönheits-OP gehen, die eigene Frau betrügen oder nach Afghanistan reisen, findet Pfohlmann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2011

Sehr genossen hat der Rezensent Lorenz Jäger dieses für seine Begriffe im allerbesten Sinn konservative Buch. Konservativ nämlich nicht etwa so, dass sich einer hier auf einmal - im übrigen bei Adorno - erworbenen Positionen ausruhe. Sondern so, dass er sich bei seiner genauen Beobachtung der Gegenwart durch Moden und anderes nicht aus der Ruhe bringen lässt. In 120 "Miniaturen" geht es in diesem Buch um mancherlei Antidot gegen die hohl drehende zeitgenössische Welt. Erfrischend findet es Jäger, wenn Böckelmann etwa Ehe und Kind, also ganz altmodische Dinge, als wahrhaft "subversive" Dinge empfiehlt. Manches vermisst Jäger, etwa eine Abrechnung mit dem Narzissmus etwa der Vegetarier. Genug von ihm wenig geschätzte Phänomene jedoch werden aufgespießt, als "Stilfibel" sei das Buch überdies noch zu empfehlen.

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