Aus dem Italienischen von Christiane Liermann. Mit einem Vorwort von Martin Baumeister. Der italienische Umgang mit Religion ist oft nicht leicht zu verstehen. Kirchengeschichte und Papstgeschichte allein lösen die Rätsel noch nicht. Die Frage nach dem Religiösen in der italienischen Gesellschaft der Moderne, nach der Bedeutung des Christentums katholischer Konfession wird in Italien breit diskutiert. Immerhin war und ist die italienische Bevölkerung in ihrer überwältigenden Mehrheit ja katholisch. Aber was ist damit eigentlich ausgesagt? Was bedeutet es für die politischen Ideen, für die Gesellschaftsentwürfe und für die "nationale Identität" der Italiener? Die Beiträge dieses Buchs spannen den Bogen von der italienischen Nationalstaatsbewegung im 19. Jahrhundert bis in die Jahre des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg und der großen Säkularisierungsdebatten der frühen Siebziger Jahre. Sie gehen der Frage nach, wie im öffentlichen Diskurs Italiens Religion und Politik, Staat und Kirche, religiöser Glauben und ziviles Bürgerethos zueinander in Beziehung gesetzt wurden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.07.2016
Ignaz Miller erfährt viel über Italien mit Franceso Traniellos "kenntnisreichem", sich von der nationalen Einheitsbewegung des Risorgimento bis hin zu Alcide De Gasperi spannendem Essay: Dass Italien quasi monokonfessionell ist, welche Rolle Andreotti spielte und der Katholizismus für die Intellektuellen und umgekehrt, wie Kirche und Kapital verbandelt sind und dass die geistigen Kollegien ein bedeutender Pfeiler des Erziehungswesens sind. Um die klischeeselige Wahrnehmung Italiens ein bisschen der Realität anzugleichen, ein unverzichtbares Buch, findet Miller.
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