Durchsuchen Sie unsere Bücherdatenbank nach Themen, Ländern, Epochen, Erscheinungsjahren oder Stichwörtern.
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Aus dem Archiv
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Fjodor Dostojewski

Die Brüder Karamasow

Roman
Cover: Die Brüder Karamasow
Ammann Verlag, Zürich 2003
ISBN 9783250102595
Gebunden, 1280 Seiten, 78,00 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Swetlana Geier. Die drei Brüder Karamasow kehren als Erwachsene in ihr Elternhaus zurück und begegnen ihrem Vater als einem alten lüsternen Trunkenbold. So gross ist ihre Verachtung, dass sie seinen Tod herbeiwünschen. Als er dann wirklich ermordet aufgefunden wird, fällt der Verdacht auf den ältesten Brüder Dimitrij. Er wird schuldig gesprochen und zu Zwangsarbeit in Sibirien verurteilt. Alle wissen: Ein anderer hat den alten Vater ermordet, und trotzdem nehmen die Brüder die Schuld auf sich ... "Die Brüder Karamasow", Dostojewskis letzter Roman, ist nicht nur eine ausnehmend packende Familiengechichte im Russland des 19. Jahrhunderts, sondern auch die der menschlichen Situation schlechthin. Er spiegelt wie kein anderer Dostojewskis gesamte dichterische Welt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.03.2004

Ja, das ist Dostojewski, schreibt die Rezensentin Ilma Rakusa über Swetlana Geiers Neuübersetzung. Es ist im "Ganzen" Dostojewksi, weil es im "Detail" Dostojewksi ist. Daher ist Rakusas Besprechung auch eher eine kleine Aufzählung von Details, in denen sich Geiers Stärke zeigt. Das im Russischen "Sa konjatschon" überschriebene Kapitel zum Beispiel heiße bei Geier "zungenbrecherisch", aber dafür folgerichtig "Beim Kognäkchen", was im Gegenteil zu anderen Übersetzungen genau den "Ton" treffe, Dostojewksis ironische Nuance. Auffällig auch, dass Geier vor der Übersetzung des Worts "Nadrywy" kapituliere, eben weil die genaue Nuance im Deutschen außer Reichweite sei, und sich dafür entscheide, das russische Wort, sozusagen als "terminus technicus" zu übernehmen. "Nadrywy", erkläre Geier in ihren Anmerkungen, bedeute "eine extreme Seelenverfassung, die in Zerstörung und Chaos umzukippen droht". Für Rakusa zeugen all diese Details von Geiers übersetzerischer Praxis der Nuancengenauigkeit. Auch der Anmerkungsteil hat die Rezensentin mit seiner außerordentlichen "Akribie" überzeugt. Aber letztlich sei es doch der Text selbst, der dem deutschsprachigen Leser in seiner "glücklichen Synthese" von "Hintergrundwissen und Sprachvermögen" pure Lesefreude bereite, als echte Alternative zur Originallektüre.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.03.2004

Eine Neuübersetzung von Dostojewskis Spätwerk im Amman Verlag gibt Yaak Karsunke die Gelegenheit, nach Jahrzehnten seinen Eindruck von diesem viel gepriesenen Roman der Weltliteratur aufzufrischen und sein Urteil zu überprüfen. Und siehe da, es fällt harsch aus: ein Buch voller reaktionärer Tendenzen, dazu religiös verbrämt und vom Geist des panslawistischen Messianismus getränkt, meint Karsunke. Vieles stört ihn an diesem Roman: die ewigen Wiederholungen, die ausufernden Nebenstränge, der willkürliche Umgang des Autors mit seinem Personal, das, kaum habe es seine ideologische oder dramaturgische Funktion erfüllt, stellt Karsunke fest, "eine deutlich verminderte Lebenserwartung" aufweise. Die Romanhandlung sei verquer und nicht stringent erzählt, vertritt Karsunke die Ansicht, und das eigentliche Thema des Buches seien auch nicht die Geschichten der Menschen, von denen der Roman handele, sondern die sogenannten "letzten Dinge", die ausufernd debattiert würden und sich manchmal so spannend lesen, so der Rezensent missbilligend, wie die religiösen Traktätchen, die heute noch vor Kaufhäusern feilgeboten würden. Allerdings ist es nach Karsunke nicht christliche Heilsgewissheit, die Dostojewski über die "letzten Dinge" ins Grübeln geraten ließ, sondern slawisches Sendungsbewusstsein, das mit einer mythischen Überhöhung des russischen Volkes einhergehe. Dumm, findet Karsunke, dass das Volk im Buch selbst nur als "tumbe" Statisten auftauche. Über die Neuübersetzung von Svetlana Geier verliert Karsunke leider kein Wort.
Fjodor Michailowitsch Dostojewski wurde 1821 in Moskau geboren, wo er als Sohn eines Arztes aus verarmter Adelsfamilie aufwuchs. 1838-43 Studium an der Militäringenieurschule in Petersburg, ab 1844 freier Autor. 1849 ... mehr lesen
Weitere Bücher von Fjodor Dostojewski

Fjodor Dostojewski: Das Krokodil. Erzählungen

Cover: Fjodor Dostojewski. Das Krokodil - Erzählungen. Manesse Verlag, Zürich, 2015.
Manesse Verlag, Zürich 2015.
Mit einem Nachwort von Eckhard Henscheid. Aus dem Russischen von Christiane Pöhlmann. Die Besichtigung eines leibhaftigen Krokodils scheint Iwan Matwejitsch die geeignete Vorbereitung auf eine Europareise … mehr lesen

Fjodor Dostojewski: Russland und die Welt. Politische Schriften

Cover: Fjodor Dostojewski. Russland und die Welt - Politische Schriften . Karolinger Verlag, Wien, 2015.
Karolinger Verlag, Wien 2015.
Mit einem Vorwort von Dimitri Mereschkowski. Herausgegeben von Martin Bertleff. Utopischer Sozialist, dann Monarchist, mystischer Nationalist, Slawophiler, Panslawist, orthodoxer Christ ... all das war … mehr lesen

Alle Bücher von Fjodor Dostojewski


Bücher zum gleichen Themenkomplex

Fjodor Dostojewski: Der Spieler. 5 CDs

Cover: Fjodor Dostojewski. Der Spieler - 5 CDs. Audio Verlag, Berlin, 2011.
Audio Verlag, Berlin 2011.
5 CDs mit 393 Minuten Laufzeit. Gelesen von Michael Rotschopf. Aus dem Russischen von Swetlana Geier. Ein Spielcasino im 19. Jahrhundert. Im Kronleuchterschein trifft sich die feine Gesellschaft.… … mehr lesen

Fjodor Dostojewski: Verbrechen und Strafe, 21 CDs.

Cover: Fjodor Dostojewski. Verbrechen und Strafe, 21 CDs. Hörkultur, Zürich, 2008.
Hörkultur, Zürich 2008.
21 CDs. Gelesen von Sylvester Groth. Regie: Walter Adler. Übersetzung: Swetlana Geier. Zwischen 1994 und 2006 hat der Ammann-Verlag in Zürich die fünf großen Roman-Tragödien von Fjodor… … mehr lesen

Fjodor Dostojewski: Ein grüner Junge. Roman

Cover: Fjodor Dostojewski. Ein grüner Junge - Roman. Ammann Verlag, Zürich, 2006.
Ammann Verlag, Zürich 2006.
Aus dem Russischen übersetzt von Swetlana Geier. Als gewiefter Erzähler seiner eigenen Lebensgeschichte tritt dem Leser der junge Arkadij Dolgorukij entgegen, schwadroniert mit Schneid und Charme übe … mehr lesen

Swetlana Geier: Russland lesen. 6 Bände

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2003.
Inhalt: Alexander Puschkin, Ägyptische Nächte; Nikolaj Gogol, Petersburger Geschichten; Fjodor Dostojewskij, Aufzeichnungen aus dem Kellerloch; Lew Tolstoj, Die Kosaken; Ulrich Schmid (Hg.) Sternensalz. … mehr lesen

Archiv: Buchautoren