Die Barmer Theologische Erklärung von 1934, die "Magna Charta" der Bekennenden Kirche, gehört zu den bekanntesten kirchlichen Texten des 20. Jahrhunderts. Ihre Wirkungsgeschichte ist schillernd, weil sie zur Legitimierung unterschiedlichster Anliegen in Anspruch genommen worden ist. Der Band beleuchtet in knapper, allgemeinverständlicher Weise sowohl die Vorgeschichte und den Inhalt als auch die bunte Rezeptionsgeschichte der Erklärung.
Den Vereinnahmungsversuchen von rechts bis links wird bewusst eine multiperspektivische Sichtweise gegenübergestellt, die etwa neben den uniert-reformierten Bezugnahmen auch die lutherischen in den Blick nimmt, neben den (politisch) progressiven auch die konservativen, für die DDR neben den staatskritischen auch die staatsloyalen, neben den positiv würdigenden auch die kritisch-distanzierten, etwa von "deutsch-christlicher", liberaler, jüdischer und islamischer Seite.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.03.2018
Peter Steinbach erkennt mit Thomas Martin Schneider Parallelen zur Gegenwart, wenn der Autor an das Barmer Bekenntnis anknüpfende Stellungnahmen aus der Zeit nach 1945 auf ihre Tendenz hin untersucht, unter Berufung auf das "protestantische Schlüsseldokument" eigene Standpunkte zu rechtfertigen. Dass der Autor die Texte prüft und seine eigene Position begründet, anstatt zu verkünden, gefällt Steinbach. Deutlich wird für ihn die Verworrenheit der Konfliktlinien innerhalb der protestantischen Landeskirchen und Konfessionen. Schneiders Text ermöglicht ihm ferner eine zeit- und kirchengeschichtliche, nicht zu eng theologiegeschichtliche Erklärung des Textes.
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