Fabrizia Ramondino

La Via

Roman
Cover: La Via
Arche Verlag, Zürich 2010
ISBN 9783716026175
Gebunden, 318 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Maja Pflug. La Via, das ist die Hauptstraße im kleinen Städtchen Acraia, das in den Hügeln zwischen Rom und Neapel liegt. Seit den Zeiten des Römischen Reichs hat sich entlang dieser Straße vieles ereignet: Kriege, Handel, Liebesgeschichten, Tode, lange Hungersnöte und plötzlicher Reichtum, kleine Intrigen und verheerende Skandale, Zerstörung und Wiederaufbau, Abwanderung und Rückkehr. La Via teilt das Dorf in zwei Teile. Ein Seekapitän reist in das Städtchen und kommt mit seinen Bewohnern ins Gespräch mit Rituzza, der spindeldürren Nachbarin mit den zwei pummeligen Töchtern, die Kinderfeste organisiert und van Goghs Sonnenblumen kopiert; zwischen ihr und dem Seekapitän stellt sich eine Intimität ein, die ihn beunruhigt. Oder mit Bartolomeo, dem anarchistischen Hirten, und seiner furchtsamen Frau Ausilia. Und mit den drei Generälen Raffaele, Orso und Lorenzo, die noch immer die Schlacht um Montecassino schlagen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.02.2011

Dieser Roman ist das letzte Werk der Fabrizia Ramondino, einen Tag bevor er in die italienischen Buchhandlungen kam, ertrank die Erzählerin beim Baden im Meer. Überschrift und Unterzeile der Kritik, "Schiffbruch an Land" oder "Ramondino kentert als Erzählerin", zeugen von ungetrübter Witzigkeit in der Redaktion. Rezensent Winfried Wehle zumindest macht eine nachlassende Sprachkraft bei der Autorin aus. Und ob die Wirrheit der Erzählungen wirklich beabsichtigt ist? Der Rezensent ist sich nicht sicher, allerdings lässt er auch seine Leser im Unklaren, ob er mit seiner recht assoziativen Kritik dem Buch seine stilistische Reverenz erweist. Wir erfahren immerhin soviel, dass der Roman in dem fiktiven Dorf Acraia spielt, in das ein Seekapitän nach vielen Jahren in der Fremde zurückkehrt. Jeder, dem der Kapitän begegnet, erzählt von diesem Treffen, von sich und seinem Leben, ein Monolog reiht sich an den nächsten und ergibt das Bild eines Dorfes, in dem sich, wie Wehle es ausdrückt, Freud und Leid nicht unbedingt die Waage halten. Ihn hat das unaufhörliche Gerede einfacher Menschen offenbar angestrengt. "Ein Wort gibt das andere: Arte povera."
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.10.2010

Für ihr 1981 erschienenes "großartiges" Porträt Neapels in der Familiengeschichte "Althenopis", aber auch für ihre literarische Verarbeitung ihrer Diplomatenkindheit oder ihrer Alkoholkrankheit schätzt Maike Albath die 2008 gestorbene Autorin Fabrizia Ramondino ganz außerordentlich. Ihr postum erschienener Roman "La Via" allerdings, in dem ein genesender Kapitän sich in ein Dorf zwischen Neapel und Rom zurückzieht und dort hautnah die Veränderungen des "glitzernden TV-Italiens" auch an der Provinz abliest, kann sie insgesamt nicht überzeugen. Das Buch ist trotz durchaus schillernder Figurenzeichnung, der sensiblen Dokumentation der Verheerungen des modernen Italiens und einer auch in der Übersetzung "farbigen" und "nuancenreichen" Sprache bestenfalls ein "Nebenwerk", das an die großen Romane der Autorin nicht herankommt, bedauert die Rezensentin. Der Leser erfährt das meiste aus sich hinziehenden Erzählungen der Protagonisten, passieren tut hingegen kaum etwas, so die Rezensentin wenig begeistert. Trotzdem attestiert sie dem Buch einen "gewissen Zauber".
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