Erri De Luca

Der Tag vor dem Glück

Roman
Cover: Der Tag vor dem Glück
Graf Verlag, München 2010
ISBN 9783862200061
Gebunden, 176 Seiten, 16,95 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Annette Kopetzki. Der Tag vor dem Glück: Das ist der Tag, an dem es dem kleinen Waisenjungen gelingt, den Ball hinter dem Fuß der marmornen Statue hervorzuangeln - jetzt darf er bei den Großen mitspielen. Es ist auch der Tag, an dem er unter einem alten neapolitanischen Mietshaus ein geheimes Verlies voller Bücher entdeckt, in dem ein Jude den Krieg überlebte. Und es ist der Tag, an dem das geheimnisvolle Mädchen Anna ihren Platz am Fenster im dritten Stock verlässt und ihm entgegengeht. Don Gaetano, portiere in eben jenem Mietshaus, wird bald sein väterlicher Freund. Er weist ihn nicht nur in die Geheimnisse des Kartenspiels ein, sondern auch in die Kunst des Gedankenlesens. Und er zeigt ihm, wie man in einer Stadt überlebt, in der Glück und Verderbnis so nah beieinander liegen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2010

Schade, zwischen den Seiten knirscht kein Sommerstrandsand. Dass es dafür manchmal im Text knirscht, nämlich vor Klischees und Naturseligkeit, ist für Niklas Bender nun wirklich kein Ersatz. So erwartungsvoll er sich in die Lektüre wirft und von der gut konstruierten Reifegeschichte und den lebensprallen Figuren im Neapel der sechziger Jahre beziehungsweise rückblickend der Zeit der deutschen Besatzung auch zunächst mitgenommen wird, so schwer erträglich erscheint ihm mitunter, was Erri de Luca an Pathos auffährt. Die beinahe sadomasochistische Liebesgeschichte des Helden wird sprachlich derart dick überschminkt, dass bei Bender weder sommerliche noch romantische Gefühle aufkommen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.11.2010

So muss er wohl sein, der neapolitanische Mann, Kind seiner Stadt, der Frauen, gewitzt, urkommunistisch, mörderisch. Denkt sich Rezensent Gustav Seibt und vertraut dabei ganz auf Erri de Luca und dessen erzählerisches, motivisches Geschick, das hier durch artifizielle Archaik knapp am Kitsch vorbeischlittert, wie wir aufatmend erfahren. Die gewählte Form der Legende mit dem Ziel der Mannwerdung findet Seibt passend, so einfach wie wunderbar. Der kindliche Held erzählt (geschickt bis ingeniös übersetzt von Annette Kopetzki, findet Seibt) von der Überwältigung der deutschen Truppen durch die anlandenden Alliierten und die geknechtete Bevölkerung und gleich die ganze Geschichte der Stadt Neapel mit, bildhaft chronikalisch unter Verzicht auf Psychologie, die der Rezensent auch nicht zu vermissen scheint. Vergleichbares in der deutschen Literatur? Hermlins "Abendlicht", sagt Seibt. (Nur dass de Luca im Gegensatz zu Hermlin einen Roman und keine Autobiografie geschrieben hat, nicht mal eine erfundene.)
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.11.2010

Begeisterung löst der neue Roman von Erri de Luca bei Helmut Moysich aus. Nicht nur, dass die Figuren ihm wie von Naturgewalten angetrieben scheinen, und zwar "ohne jede Pose" und mit einer "Verve und Dringlichkeit", die aus seiner Sicht selten geworden sind in der Gegenwartsliteratur. Auch die "eigentümlich knappe, karg-sinnliche Sprache" tut ein Übriges, dass dieses Buch auf den Kritiker drogenähnliche Wirkungen hat. Schauplatz sei wiederum Neapel, wo auch andere Romane des neapolitanischen Autors spielten, und wo der knapp 17-jährige Held des Romans lebe. Es geht, lesen wir, um einen Aufstand gegen die Nazibesatzer kurz vor der Befreiung der Stadt durch die Alliierten, ein Ereignis, das Moysich als "universales Rufzeichen" von fast biblischer Gültigkeit dargestellt sieht. Auch die Menschen schildere de Luca in einer Weise, dass noch das simpelste Gefühl mit der Aura eines Naturereignisses ausgestattet sei. Leise, feinsinnige Töne des Romans verursachen ebenfalls Gänsehaut beim Kritiker: die Schilderung von Sonnenreflexen zum Beispiel.
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