Simonetta Poggiali

Der Götterbote

Eine Geschichte aus Neapel
Cover: Der Götterbote
Albrecht Knaus Verlag, München 2010
ISBN 9783813503609
Gebunden, 160 Seiten, 16,99 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Ulrich Hartmann. Ein Junge in Neapel, der für die harte Wirklichkeit nicht geschaffen ist. Spätestens seit Roberto Savianos Bestseller "Gomorrha" weiß die Welt, dass das organisierte Verbrechen Italien im Griff hat. Simonetta Poggiali erzählt in ihrem tragisch-zärtlichen Roman, wie in ihrer Heimatstadt die Camorra das Leben bestimmt und den Menschen die Hoffnung auf eine bessere Zukunft raubt. Luigi ist 16, pummelig und ein wenig naiv. Auf seinem Mofa düst er durch Neapel, um im Auftrag der Camorra Schutzgelder zu kassieren. Von seinem kleinen Bruder, der gerne liest und alle Mythen der Antike kennt, hat Luigi Namen für das, was er sieht: oben die Götterwelt, unten die Sterblichen, die sich wegducken, und dazwischen er, der Bote. Auf diese Weise erklärt er sich die mörderischen Gesetze, die in Neapel herrschen, und kann mit dem alltäglichen Grauen umgehen. Als aber das Mädchen Ninetta, das er heimlich liebt, eines Tages tot aufgefunden wird, weiß Luigi, dass er für diese Wirklichkeit nicht geschaffen ist. Aus Verzweiflung springt er von einem Dach; die imaginären Flügel an seinen Fersen tragen ihn hoffentlich in eine bessere Welt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.01.2011

Angetan zeigt sich Maike Albath von Simonetta Poggialis in Italien hochgelobten Debütroman "Der Götterbote". Die Geschichte um den pummeligen Luigi, der mit seiner Vespa durch Neapel kreuzt, um für die Camorra Schutzgelder zu kassieren, erinnert sie in den Verstrickungen des Helden an eine antike Tragödie: seinem Schicksal nämlich kann der gutmütigen und etwas naive Luigi, der nach einem Unfall aussteigen möchte, nicht entfliehen. Albath bedauert den Verlust der dialektalen Färbung des Originals in der Übersetzung. Die "poetische Naivität" von Lugis Sprache wirkt auf sie im Deutschen schlicht, ja "unbeholfen". Außerdem scheinen ihr einige Nebenfiguren klischeehaft. Nichtsdestoweniger ist Poggiali mit Luigi in ihren Augen ein wirklich "anrührender Held" gelungen.
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