Eva Schmidt

Ein langes Jahr

Roman
Cover: Ein langes Jahr
Jung und Jung Verlag, Salzburg 2016
ISBN 9783990270806
Gebunden, 212 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Benjamin lebt mit seiner Mutter allein, die Wohnung in der Siedlung am See ist klein, den Hund, den er gerne hätte, kriegt er nicht. Als er Joachim davon erzählt, will der sich einen schenken lassen, am besten zwei, aber Benjamin findet, Hunde sind fast wie Menschen und kein Geschenk. Eines Tages begegnet Benjamin Herrn Agostini, einem alten Mann aus der Nachbarschaft, auch er wollte sein Leben lang einen Hund. Früher als er ist seine Frau nach einem Sturz ins Pflegeheim umgezogen, jetzt hat er endlich einen, Hemingway heißt er. Aber Herr Agostini ist nicht mehr gut auf den Beinen, er weiß nicht, was aus "Hem" werden soll. Ähnlich wie Karin, die gerne wüsste, wer sich um ihren Hund kümmert, wenn ihr was zustößt, wie sie sagt. Karin ist krank, sie hat Schmerzen, niemand weiß davon. Im Baumarkt kauft sie eine Leiter, vom Nachbarn borgt sie eine Bohrmaschine … Eva Schmidt erzählt von den kleinen Dingen des Lebens, als wären sie groß, von den großen, als wären sie klein. Sie erzählt davon, wie wir leben, allein und miteinander, und wie wir uns dabei zuschauen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.09.2016

So ein Hundeleben, stöhnt Rezensentin Sandra Kegel. Eva Schmidts lose verbundene Prosaminiaturen scheinen ihr ganz schön auf den Hund gekommen. Als verbindendes Glied in einer trostlosen Welt aus Hochhäusern, Großmärkten und Tankstellen entfaltet das Tier seine Wirkung, erkennt Kegel. Die so entstehenden "Blickachsen" im Wimmelbild ergeben laut Kegel ein Netz, eine Art Poetik der Autorin auch. Nur wenn die Figuren, schlagende Ehemänner, Nazis und verschämte Transvestiten, bei Schmidt anfangen zu reden, wird es Kegel oft zu stereotyp. Dann soll doch lieber ein Hund bellen, findet sie.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.08.2016

Nach knapp zwanzig Jahren gibt es einen neuen Roman der Österreicherin Eva Schmidt, verkündet Christoph Schröder erfreut. Vielmehr möchte der Kritiker den Text allerdings "Romanmosaik" nennen, denn die kurzen Szenen, in denen Schmidt episodenhaft aus dem "Alltagsreigen beschädigter Existenzen" in einer Siedlung erzählt, erscheinen Schröder geradezu "getupft". Wie die Autorin darüber hinaus eine raffiniert komponierte Blickregie führt, Personen einander ausspionieren und beobachten lässt, und das von außen harmonisch wirkende aus der Binnenperspektive als "Minihölle" erscheinen lässt, findet der Rezensent großartig. Nicht zuletzt bewundert er Schmidts Vermögen, lakonisch, distanziert und pointenlos zu erzählen, und den Leser dazu zu bewegen, die "emotionalen Leerstellen" selbst zu füllen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.04.2016

Rezensentin Katrin Hillgruber scheint angetan von Eva Schmidts literarischer Rückmeldung nach 20 Jahren Stille. In 38 Episoden und aus wechselnden Ich-Pespektiven lässt die Autorin eine Nachbarschaft am Bodensee langsam in Spannung geraten. So lässt sich der Vorgang beschreiben, dem Hillgruber mit wachsender Faszination bei der Lektüre beiwohnt. Was als statische Miniaturen über die Bewohner eines Hauses beginnt, wird laut Rezensentin zu einer Art schwäbischer "Short Cuts", in dem Figuren und Geschichten Stück für Stück in Beziehung zueinander treten. Der Vorgang ist laut Hillgruber ein eher stiller, an Texte von Peter Bichsel erinnernder, zurückhaltend, aber seismografisch genau beobachtet, meint sie.
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