Ernst Baltrusch

Herodes

König im Heiligen Land. Eine Biografie
Cover: Herodes
C.H. Beck Verlag, München 2012
ISBN 9783406637384
Gebunden, 448 Seiten, 26,95 EUR

Klappentext

Herodes I. ist als Initiator des Kindermords von Bethlehem ein Spitzenplatz auf der ewigen Bestenliste aller Finsterlinge der Weltgeschichte sicher. Dass diese Episode eine Erfindung des Matthäus ist, tut ihrer Wirkung keinen Abbruch. Wer aber war dieser Herodes wirklich, der nicht selten mit wahnhafter Brutalität gegen Familienmitglieder und Untertanen vorging - und dennoch als erfolgreicher Herrscher agierte? In seiner Darstellung beschreibt Ernst Baltrusch den Aufstieg des im eigenen Volk umstrittenen Herodes zum König der Juden und zum "dritten Mann" im Imperium Romanum. Diese Karriere war nur möglich, weil - wie der Historiker Flavius Josephus schreibt - Kaiser Augustus "keinem anderen nach Agrippa mehr Wohlwollen entgegenbrachte". Herodes wusste, wem er seine Stellung zu verdanken hatte, und herrschte über sein Volk nach der Art und im Interesse der Römer.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.12.2012

Einige Teile von Ernst Baltruschs Herodes-Biografie sind dem Rezensenten Michael Stallknecht zwar etwas zu trocken geraten, trotzdem findet er die Geschichte des sagenumwobenen Königs spannend, und er bescheinigt Baltrusch, ein sehr kluges Buch geschrieben zu haben. Zunächst erfährt der Rezensent vom Autor, dass die christliche Erzählung vom kindermordenden, "paranoiden Tyrannen" ziemlich sicher bloße Legende ist - zumindest die Kinder hat er nicht getötet, schränkt Stallknecht danach aber ein. Herodes' Paranoia und Grausamkeit lassen sich an anderen Ereignissen ablesen: daran zum Beispiel, dass er seine zahlreichen Ehen mit der Hinrichtung der Frau und oft auch deren Söhnen beendete, an Intrigen, Folter, Willkür und Gewalt, berichtet der Rezensent. Auf der anderen Seite stehen große Verdienste des Königs, erklärt Stallknecht: Herodes schaffte es, ein "multiethnisches und multireligiöses" Reich über mehr als dreißig Jahre zu einen und das, ohne dafür Kriege mit äußeren Feinden anzuzetteln. Außerdem initiierte er große Bauvorhaben, wie den Ausbau des Tempels von Jerusalem. Von Baltruschs hilfreichen Vergleichen des Königs mit den Potentaten der Gegenwart hätte sich der Rezensent mehr, zum Beispiel böten sich in seinen Augen die "Probleme eines Klientelkönigtums" für eine Analogie mit der amerikanischen Außenpolitik an.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.12.2012

Ernst Baltrusch, Professor für alte Geschichte an der FU Berlin, hat eine Biografie über einen der bekanntesten Bösewichte der Geschichte geschrieben: Herodes, den Kindermörder von Bethlehem, berichtet Wolfgang Will, der sogleich betont, dass Herodes "am Mord von Bethlehem so unschuldig war wie die nicht getöteten Kinder". Die Geschichte hatte sich Matthäus erdacht, um eine weitere Parallele zwischen Jesus und Moses zu ziehen, erklärt Will. Weil Herodes schon vorher eine ungeliebte Figur war, hat sich der Apostel sein Opfer allerdings klug gewählt, gibt der Rezensent zu. Selbst nachdem Baltrusch das mythisch-religiös verzerrte Bild geglättet hat, bleibt der König eine zutiefst vieldeutige Person: Idumenäer von Geburt, nach dem Bürgerrecht Römer, in der Religion Jude, Hellenist in seiner Bildung, Familienvater - entlang dieser Rollen teilt Baltrusch sein Buch ein und hebt die widersprüchlichen Ansprüche hervor, berichtet Will. Womöglich hat Herodes erst die Bedingungen für das geschaffen, was er angeblich vernichten wollte, schmunzelt Wolfgang Will: "Eigentlich hätte Matthäus ihm danken müssen."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2012

Großartig an dieser Herodes-Biografie des Althistorikers Ernst Baltrusch findet Bernhard Lang vor allem die Perspektive: Nicht allein um die Kriege ist es dem Autor zu tun, sondern auch um die Friedenszeiten und ihr Zustandekommen. Ferner, so erläutert der Rezensent, versucht der Autor, den Hellenen-Herrscher Herodes anders als bisher als "kleinen Augustus" auf den Spuren seines römischen Vorbilds zu zeichnen. Und er vergleicht Herodes in seiner Panik vor Machtverlust mit Gaddafi. Dass Baltrusch Herodes bei alldem zwei Gesichter zugesteht, Gewaltherrscher und Friedensfürst, liest Lang als neue Herausforderung für künftige Althistoriker, negative Perspektiven unter Umständen zu korrigieren beziehungsweise zu erweitern.
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