Wolfgang Schullers neue Kleopatra-Biografie macht Ernst mit der Tatsache, dass sie zuallererst Königin des 3.000 Jahre alten Ägypten war und betont diese Seite ihres Lebens und ihrer Politik besonders. Natürlich kommen auch ihre politischen und persönlichen Beziehungen zu Rom und den großen Römern Caesar und Mark Anton nicht zu kurz, und weil Kleopatra nach ihrer kulturellen Herkunft Griechin war, wird das Ineinander dieser drei Kulturen ausgiebig behandelt. Schullers Buch beruht auf den neuesten und eingehend dokumentierten Erkenntnissen und Funden der Fachwissenschaft. Es breitet die antiken Quellen aus von ägyptischen Inschriften bis zu Werken der großen römischen Dichter und lässt eine ganze Epoche wieder lebendig werden.
Ausgesprochen beeindruckt zeigt sich Rezensent Helmut Halfmann von dieser Kleopatra-Biografie. Zwar beurteilt er selbst manches anders als der Biograf Wolfgang Schuller, oft auch etwas schärfer. Trotzdem kann ihn das Buch mit seiner Schilderung der berühmten Königin am Schnittpunkt dreier Kulturen fesseln und (bei allem Schaudern über Kleopatras bis zum Mord an den Geschwistern reichendes Machtdenken) für diese schöne, "ungemein intelligente" und "zugleich fühlende" Frau einnehmen. Als Kern dieser "schönen" Biografie beschreibt er die Liebe als "unberechenbare Macht" der Weltgeschichte. Besonders faszinieren ihn Wolfgang Schullers Schilderungen der ägyptischen Religion und Herrschaftstradition. Er fühle sich oft beim Lesen wie auf einer Zeitreise, schreibt er genüsslich, und lobt den Autor für die große Suggestionskraft, mit der er in seinem ebenso prägnant wie dezent ironisch geschrieben, in überschaubare Kapitel eingeteilten Buch Kleopatra wieder auferstehen lässt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2006
Starken Beifall spendet Rezensent Uwe Walter dieser Kleopatra-Biografie, die der Althistoriker Wolfgang Schuller vorgelegt hat. Dessen quellenreiche und gut lesbare Darstellung Kleopatras als selbstbewusste Herrscherin über ein dreitausend Jahre altes Reich und intelligente Akteurin zwischen drei Kulturen hat ihn rundum überzeugend. Besonders gefallen hat ihm, dass Schuller auch der Überlieferung zu Kleopatra breiten Raum einräumt, ohne jede Spekulation gleich als Fabel abzustempeln, sondern "taktvoll" zu kommentieren. Zudem bescheinigt er dem Autor, die Kleopatras Liebesbeziehung zu Caesar und Mark Anton plausibel in den Kontext der Epoche einzubetten.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.10.2006
Wunderbar erzählt und angereichert mit längeren antiken Zitaten ist diese Kleopatra-Biografie laut Hans-Albrecht Koch ein Muss sowohl für den Connaisseur als auch für den Kleopatra-Voyeur. Voller Begeisterung gibt der Rezensent sogleich einige Kostproben, beispielsweise aus dem Kleopatra-Kommentar des Horaz oder als Kontrastprogramm ein hübsch bissiges Zitat aus der Dreigroschenoper. Überhaupt sei die Kulturgeschichte des Kleopatra-Bildes ein besonders "reizvoller" zweiter Teil des Bandes, der auch zeitgenössische Hollywoodfilmen umfasse.
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