Ein nasskalter Januartag, die Mutter ist gerade drei Wochen tot, da verschwindet der Bruder Paul aus der Wiener Wohnung. Brieflich teilt er mit, dass er beschlossen habe, nach Übersee auszuwandern. Die Schwester kann nicht glauben, was sie da liest. Nun ganz alleine übrig, taucht sie ein in die Erinnerungen ihrer Familie. Und erzählt die Geschichte zweier ungleicher Geschwister, deren Mutter als Jüdin von den Nazis aus Wien vertrieben wurde, sich in England ein neues Leben aufbaute und von einer Auswanderung nach Australien träumte. 1948 aber kehrte sie mit den Kindern nach Wien zurück - aus Liebe zu ihrem Ehemann. Eine unglückliche Entscheidung. Die jüdischen Großeltern sind in Treblinka ermordet worden, zeitlebens fühlt die Mutter sich entwurzelt, ihr Sohn Paul bleibt in ihrer Nähe gefangen, nur die Tochter baut sich fernab ein eigenes Leben auf...
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.09.2007
Erica Fischers Geschichte ihrer eigenen Familie ist Lorenz Beckhardt sichtlich nahe gegangen. Das Buch scheint ihm so schmerzhaft und beklemmend, dass er sich wünschte, es handelte sich dabei um einen Roman. Ausführlich berichtet er über die Familiengeschichte der Fischers, betrachtet sie als ein Beispiel für das, was nach dem Krieg in vielen jüdischen Familien geschehen ist, und hält sie doch für einzigartig. Schwer erträglich findet er die Schilderung von Erstarrung, Sprachlosigkeit und Schweigen der Familie nach ihrer Rückkehr nach Wien 1948. Er attestiert der Autorin eine "brutale Offenheit" im Umgang mit sich und ihrer Familie. Dabei habe der Verlag, so weiß er zu berichten, den Text noch entschärft.
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