Aus dem Niederländischen von Stefan Wieczorek. Remi wächst als Sohn eines Bauern in der flämischen Westhoek auf, inmitten von wortkargen Menschen und Legenden über den Ersten Weltkrieg, der das Land in den großen Flandernschlachten verwüstet und dessen Menschen geprägt hat. Sein Onkel erzählt ihm immer wieder von einem schwarzen Soldaten aus dem Kongo und Remi übernimmt diese Faszination für das Fremde und den Glauben an die Kraft von Geschichten. Aus Wissensdurst und um dem Leben auf dem Bauernhof zu entkommen, tritt er in ein Kloster ein. Die Jesuiten entsenden den jungen Mann in den Kongo, wo er allerdings nicht missioniert, sondern selbst die Mythen der Bevölkerung erforscht und zum Lernenden wird. Auch lebt er beim Stamm des ehemaligen Soldaten, der in der Westhoek gefallen ist, wird im gewissen Sinne als dessen Wiedergänger bei den Yaka aufgenommen. Remi verlässt danach die Jesuiten, kehrt nach Belgien zurück und wird Ethnologe, später Psychoanalytiker.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.07.2021
Rezensentin Katharina Teutsch scheint fasziniert von diesem Roman des belgischen Anthropologen Koen Peeters, den dieser anhand der Lebensgeschichte seines Kollegen Renaat Devisch verfasst hat, wie Teutsch erklärt. Im Text geht es aber um mehr, meint Teutsch, nämlich um das Nachleben der Dinge, um in Landschaften eingeschriebene Geschichte in Westflandern und um "Fremdheitserfahrungen" im Kongo. Die Figur im Roman macht diese Erfahrungen direkt selbst oder vermittelt durch ethnografische Missionarsberichte. Gefesselt ist Teutsch trotz eines eher "protokollarischen" Stils von der Entwicklung der Figur vom Jesuiten zum Buschheiler.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 10.05.2021
Ziemlich spannend erzählt findet Rezensent Tobias Lehmkuhl diesen Roman, in dem die flandrische Landschaft und der Kongo starke Orte des Geschehens bilden. Ihm gefällt, wie aus dem belgischen Bauernjunge ein Priester wird, der in den 1950er Jahren in den Kongo geht, um das Schicksal eines schwarzen Soldaten aufzuklären, und wie damit verwoben die heutige Geschichte von einem seiner Schüler erzählt wird, der die Geschichte seines Lehrers verfolgt. Ziemlich "disparat" seien diese verschiedenen Elemente schon, und ein bisschen stört den Kritiker auch, dass im Verlaufe des Romans zunehmende "esoterische" Momente die Oberhand gewinnen. Dennoch preist er die Beschreibungen insbesondere des Kongo, die für ihn jenseits von "Klischees" und Mystifikationen sind und lobt die Übersetzung von Stefan Wieczorek als "souverän".
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