Gedächtnis und Erinnerungsvermögen zählen zu den grundlegenden Aspekte der menschlichen Existenz. Schritt für Schritt entreißen die Wissenschaftler diesem vielschichtigen Phänomen seine Geheimnisse. Doch immer noch bleiben viele Fragen offen. Larry R. Squire und Eric J. Kandel zeichnen die spannende Konvergenz von Psychologie und Biologie nach, die es erstmals ermöglicht, eine lückenlose Kette vom Molekül bis zur Verhaltensreaktion aufzuzeigen. Zu den vielen neuen Entdeckungen, von denen die Autoren berichten, zählt zum Beispiel die Existenz multipler Gedächtnissysteme, welche die "Last" des Erinnerns untereinander aufteilen (eines ist zuständig für Tatsachen und vergangene Erfahrungen, ein anderes für motorische und Wahrnehmungsstrategien etc.). Auch beginnt man heute zu verstehen, in welchen Schritten durch Veränderungen in den spezifischen Verbindungen zwischen den Nervenzellen im Gehirn Erinnerungen geschaffen werden.
Das Gehirn als Setzkasten - das Bild, das uns Wolfgang Müller beschreibt, ist so neu nicht. Ungewöhnlich ist allerdings der Zugriff der beiden von Müller besprochenen Bücher, die sich den Vorgängen im Gehirn, dem Erinnern und den Denken, mit einer Verbindung von Wissenschaft und Kunst nähern.
1) Larry R. Squire & Eric R. Kandel: "Gedächtnis"
Warum ist er nachtragend, fragt sich Wolfgang Müller, und verübelt es heute noch einem taz-Setzer, dass er ihm vor Jahren ein t zuviel in ein Wort geschmuggelt hat. Warum erinnert er sich genau daran und an soviel anderes nicht? Müller empfiehlt - zum Grübeln - dieses Buch, das in wissenschaftlichen Aufsätzen dem Phänomen des Kurzzeitgedächtnisses oder der biologischen Basis von Individualität nachgeht, dabei aber durch zur Seite gestellte Kunstwerke neue inhaltliche Verbindungen schafft. Auch hier gibt es selbstverständlich einen Setzkasten, der von Louise Nevelson stammt und sich in eine Modulansammlung verwandelt, "die das deklarative Gedächtnis aufrechterhält." Was das genau ist, haben wir natürlich vergessen oder - ehrlich gesagt - nie gewußt.
2) Via Lewandowksy, Durs Grünbein: "Gehirn und Denken"
Bis Oktober 2000 sind im Hygienemuseum Dresden Setzkästen in Raumgröße zu beschauen und zu begehen, empfiehlt Wolfgang Müller, in denen die verschiedenen Fähigkeiten des Gehirns durch den Künstler Via Landwosky und den Lyriker Durs Grünbein thematisiert wurden. Ein besonders entspanntes und befruchtendes Verhältnis von Kunst und Wissenschaft konstatiert Müller in diesem Fall. Manchmal ist die Wissenschaft selbst bereits zur Kunst geworden, meint der Rezensent, dem zum Beispiel die alten Präparate von flugunfähigen Fliegenstuben als Kunstobjekte gut gefallen haben. Allen 17 Räumen sind in 17 Kapiteln entsprechend wissenschaftliche und künstlerische Beiträge im Katalog zugeordnet. Und mittenmang das Rasierzeug von Herbert Wehner. Warum, wieso, hat unser Rezensent vergessen zu schreiben.
Juli Zeh: Pony Show Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet… Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren… Botho Strauß: Bleiben und Blicken In Botho Strauß' neuem Buch geht es um die Zeit und ihr Vergehen, um den Zauber der Kunst, um das Originale und das Eigentliche. Vor allem sind es Begegnungen und Nichtbegegnungen,…