Eric Hazan

Die Erfindung von Paris

Kein Schritt ist vergebens
Cover: Die Erfindung von Paris
Ammann Verlag, Zürich 2006
ISBN 9783250104858
Gebunden, 635 Seiten, 39,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Michael Müller und Karin Uttendörfer. Quartier Latin, Jardin du Luxembourg und Place Vendome... Namen, die dem Neuankömmling alles verheißen und dem Eingeweihten Bilder, Gerüche und Töne ins Gedächtnis bringen. Er erforscht die Quartiers, jedes für sich, bis ins kleinste Detail, und ruft auch die Figuren hinzu, die sonst nur zwischen Buchdeckeln die Stadt bevölkern oder vor Jahrhunderten die Straßen durchwanderten. Folgt man ihm, stellt sich die Frage, wie viele verschiedene Städte es eigentlich sind, die unter dem einen Namen Paris einhergehen. Das Paris Doisneaus, das von Degas, von Proust, Balzac, Haussmann und Eiffel? Das "Rote Paris" des Mai 1968 und das Paris der Französischen Revolution? Eric Hazan kennt sie alle. Schicht für Schicht legt er sie frei und zeigt, wie Paris gewachsen ist, wie es zerstört wurde und sich auch heute noch Tag um Tag verändert, nicht nur dort, wo sich die multikulturelle Metropole über die beschaulichen Dörfer am Rande wälzt - die Stadt als lebender Organismus und Schauplatz menschlichen Lebens zugleich. Hazans Erfindung von Paris ist eine Kultur- und Sozialgeschichte, das Porträt einer Stadt in Bewegung und ein expliziter Kontrapunkt zu allen Versuchen ihrer Musealisierung.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.08.2006

Eric Hazans Buch über Paris liest sich wie ein "historischer Roman" und ist fesselnd wie ein "Karl May aus Kindertagen", meint Jürgen Ritte. Hazan stellt quasi eine "kritische Anamnese" von Paris vor, in der der Rezensent den ehemaligen Chirurgen erkennt. Seiner Meinung nach ist Paris aus einer Menge von Aufständen und Unterdrückungen entstanden. 1830, 1848 und vor allem die Kommune von 1871 haben Hazans Geografie der französischen Hauptstadt gezeichnet. Deswegen empfiehlt Jürgen Ritte für die Lektüre auch eine historische Karte aus dem 19. Jahrhundert, um dem "Spurensucher" und "Fährtenleser" Hazan zu folgen. Das hier vorgestellte Paris hat für Jürgen Ritte nicht unbedingt etwas mit dem realen zu tun, es ist eher eine literarische Metropole, ein Paris, wie es vielleicht einmal in Romanen existiert hat. Ritte gefällt diese "bissig humorige" Sicht auf die Stadt, und auch dass es beizeiten ein wenig "sentimental" wird, ficht ihn nicht an.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.07.2006

Die Erfindung nicht nur von Paris, sondern einer neuen Art literarischer Reisebegleitung scheint Joseph Hanimann in Eric Hazans Buch zu wittern. Hazan erforscht Quartier um Quartier und reichert die geografischen Gegenheiten mit Bezügen auf Geschichte, Architektur und Literatur an. Einzigartig findet der Rezensent den Ansatz einer Stadtgeschichte als eines permanenten Prozesses, gesehen vor allem aus kunst- und literaturhistorischer Perspektive. Der stark subjektive Charakter des Buches stört Hanimann kaum, der Autor, gibt er uns zu verstehen, verfällt zwar mitunter auf "eigenwillige Schlüsse", vermeidet dafür aber Fachsimpelei ebenso wie "landläufige Nostalgie". Dankbar zeigt sich Hanimann auch für die durch die Lektüre vermittelte Erkenntnis, dass ein ansprechender Stil nicht zu Lasten von Faktentreue gehen muss, sowie für die "elegante" Übersetzung aus dem Französischen.
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