Enrique Vila-Matas

Risiken und Nebenwirkungen

Roman
Cover: Risiken und Nebenwirkungen
Nagel und Kimche Verlag, Zürich 2004
ISBN 9783312003389
Gebunden, 349 Seiten, 21,50 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Petra Strien. Girondo ist literaturkrank, und das heißt: vollkommen besessen von verführerischen Romanfiguren, glänzenden dramaturgischen Einfällen und den geheimen Intimitäten aus den Tagebüchern berühmter Autoren. Er ist derart verstrickt in die Welt der Fiktionen, dass er zusätzlich zu den Problemen in seinem wirklichen Leben auch noch die der Literatur zu bewältigen hat. Als er seine Frau verdächtigt, ihn mit seinem besten Freund zu betrügen, vergleicht er seine Lage mit derjenigen der tragischen Gestalten aus der Weltliteratur. Da aber merkt Girondo, dass er mit seiner Obsession nicht nur seine Ehe gefährdet, sondern massiv auch seine Gesundheit riskiert, und er beschließt, sein Leben zu ändern. Tatsächlich gelingt es ihm, seinem Leiden zu entkommen, indem er sich - paradox - vollständig in Literatur verwandelt und im Text verschwindet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.02.2005

Burkhard Müller wollte schon beim ersten Anblick "in Deckung" gehen vor Enrique Vila-Matas' Roman. Die Form des Tagebuchs kombiniert mit der Geschichte eines Schriftstellers, der am Schreiben scheitert, das riecht ihm allzu sehr nach einem neuerlichen "Stück ironisch-melancholische Schonkost für geistig Magenkranke". Zum Leidwesen des Rezensenten erfüllen sich die düsteren Vorahnungen dann auch. Vila-Matas schöpft seinen Stoff aus der europäischen Literatur, benutzt also jede Menge literarische Referenzen, um seine Geschichte voranzutreiben. Dieser "lose, weiterreihende Stil, der alles mit allem verbindet", mag vielleicht für eine geistreiche Konversation taugen, für ein Buch ist das aber zu wenig, urteilt Müller. Die Erzählung leidet darunter, das Fehlen von Dramaturgie und Spannung wird zu einer der "entschiedenen Schwächen" des Buches. Manches ist zwar "hübsch, traurig und gibt zu denken", aber das reicht dem Rezensenten bei weitem nicht. Der Part auf der Azoreninsel Pico gerät ihm zum trostlosen Höhepunkt des Romans. "Ich glaube nicht, dass schon mal ein Autor so wenig aus einem Vulkan gemacht hat wie Vila-Matas: Es hausen hier allegorische Maulwürfe."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.10.2004

Martin Zingg bezweifelt, dass sich die Handlung dieses Romans vom spanischen Autor Enrique Vila-Matas überhaupt nacherzählen lässt und versucht es dann trotzdem. Es geht um Rosario Girondo, der als "besessener Leser" an der Literatur erkrankt und sich nur mehr in literarischen Zitaten und Bildern auszudrücken vermag. Gleichzeitig ist sein eigener Sohn Montano, der ein Buch über "schreibgelähmte" Schriftsteller verfasst hat, nun selbst dieser 'Krankheit' erlegen, fasst der Rezensent zusammen. Dabei ist der Sohn aber in Wahrheit ein "Doppelgänger" des Autors, und mit dem Buch, das er geschrieben hat, ist Vila-Matas selbst hierzulande bekannt geworden, erklärt Zingg das verwirrende "Spiel", das mit den Lesern getrieben wird. Er preist den Autor als "Spezialisten" der "Verwirrung", der die Grenze zwischen "Fiktion und Realität" durchlässig werden lässt, und er freut sich, dass der Roman des spanischen Autors in einer "vorzüglich übersetzten" Fassung von Petra Strien vorliegt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.05.2004

Nicht zuletzt weil Kersten Knipp meint, die Hochzeit der "Metafiktion" sei längst vorbei, kann er dem neuen Roman von Enrique Vila-Matas nicht viel abgewinnen. Den literarischen Prozess selbst zum Gegenstand von Literatur zu machen ist eben "längst zum Allgemeingut" geworden und kann nicht mehr so recht begeistern, so der Rezensent gelangweilt. In dem Roman beschreibt ein Erzähler seine "Krankheit", die darin besteht, zu sehr in den Texten der Literatur zu leben, was sich in einer Flut von literarischen Anspielungen und Zitaten widerspiegelt, erklärt Knipp. Gleichzeitig ist von dessen Sohn die Rede, der als Schriftsteller unter massiven Schreibblockaden leidet, so der Rezensent weiter, den diese Thematik nicht gerade fasziniert. Er weist auf die dreiseitige Bibliographie hin, die am Ende des Romans auf die wichtigsten Inspirationsquellen des Erzählers verweisen und das Buch tut am Ende als "zähe ästhetizistische Schwärmerei" ab. Denn Literatur über Literatur ist eben nicht halb so interessant, wie Literatur, in der "von der Welt" die Rede ist, so Knipp abschließend etwas erschöpft.
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