Enrique Vila-Matas

Paris hat kein Ende

Roman
Cover: Paris hat kein Ende
Nagel und Kimche Verlag, Zürich 2005
ISBN 9783312003570
Gebunden, 286 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Petra Strien. Mit feinem Witz und konsequent misanthropischer Gesinnung schildert Enrique Vila-Matas seine Zeit als Schriftstellerlehrling in Paris. Nicht mal die Liebe ist hier leicht zu lernen, so lautet die Erkenntnis am Ende von Rotwein und Zigarettenqualm a bout de souffle. Trotzdem möchte der Leser nach diesem Parcours durch das literarische Lasterleben nur noch eins: auf nach Paris!

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.05.2005

Einen Roman hat Joseph Hanimann gar nicht von dem "Meta-Literaten" Enrique Vila-Matas erwartet, war also durchaus darauf eingestellt, ein "doppeltes Hohlspiegelmosaik" in die Hände zu bekommen. Trotzdem ist er nicht ganz glücklich mit dem Buch geworden, das er uns als "Porträt des Künstlers als junger Stümper" beschreibt. Vila-Matas schickt dafür einen angehenden Schriftsteller auf Hemingways Spuren nach Paris, wo er sich ebenso arm, aber weniger glücklich bei einer unheimlichen Marguerite Duras einquartiert. Hier taucht der depressive Antiheld in das überbordende Pariser Leben ein, das in einem Kabinett aus Anspielungen, Zitaten und Fantasien ebenso gespiegelt wie ironisch gebrochen wird. Starke Passagen von surrealer Komik hat Hanimann in diesem Buch gefunden, allerdings auch solche, in denen der Autor sein eigenes Versprechen bricht, "Geschwätzigkeit tunlichst zu vermeiden". Ein Lob geht trotzdem an die Übersetzerin Petra Strien.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.05.2005

Rezensent Milo Rau gesteht eine gewisse Skepsis, mit der er Enrique Vila-Matas' neuestes Buch in die Hände genommen hat. Er verrät auch warum. Der spanische Schriftsteller sei schließlich "der große Verweigerer", der in seinem letzten Buch die Unmöglichkeit des Schreibens thematisiert habe. Warum der nun ausgerechnet in die "erstaunlichste Stadt der Welt" und Realität pur eintauchen wollte, hat Rau nicht sofort eingeleuchtet. Das sei, als bitte man Marcel Duchamp, Balzac zu illustrieren, spottet er. Aber manche Fehlbesetzungen zeitigen doch interessante Ergebnisse, musste Rau bei der Lektüre feststellen. Vila-Matas bleibe zwar seinem Thema treu, lautet sein Resümee, dass es nämlich eigentlich nichts zu erzählen gibt, erzähle dies aber höchst geistreich und mit der nötigen Selbstironie. Als Vortrag getarnt berichte der Autor in 113 Episoden von seinen Lehrjahren in Paris, wo er sich - nicht etwa von einem inneren Auftrag getrieben - in die Rolle des Schriftstellers zu kleiden versucht. Am aufregendsten findet Rau die Passagen, in denen Vila-Matas von Marguerite Duras berichtet, bei der er zur Untermiete wohnt und die ihm einen Zehnpunkte-Katalog für postmodernes Schreiben in die Hände drückt. Den hat er offensichtlich erfolgreich abgearbeitet.
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