Die Bibelübersetzung von Buber-Rosenzweig

Geschichte eines Projekts
Cover: Die Bibelübersetzung von Buber-Rosenzweig
Jüdischer Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783633543410
Gebunden, 475 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Christoph Kasten, Ansgar Martins und Inka Sauter. Im Jahr 1926 versetzte eine Bibelübersetzung die deutsch-jüdischen und besonders die Frankfurter Intellektuellen in Aufruhr: Martin Buber arbeitete seit Mai 1925 gemeinsam mit Franz Rosenzweig daran, den Tanach zu übertragen. Ihr Unterfangen bezeichneten sie als Verdeutschung der Schrift. Ende Dezember erschien als erster Band "Das Buch Im Anfang". Öffentliches Echo und persönliche Rückmeldungen ließen nicht lange auf sich warten: Erste Rezensionen kritisierten die Sprache der Übersetzung, vor allem aber schlug die äußerst polemische Besprechung von Siegfried Kracauer hohe Wellen, die Ende April 1926 in der Frankfurter Zeitung erschien. Es gab freilich auch Zuspruch, Lob und Verteidigung. Margarete Susman setzte sich immer wieder für die Bedeutung der neuen Schriftübertragung ein. Direkt oder indirekt beteiligten sich auch Ernst Simon, Walter Benjamin, Gershom Scholem, Leo Löwenthal und viele andere an der Diskussion. Es entfaltete sich eine deutsch-jüdische Debatte, in der die großen Fragen der Moderne - von Tradition, Politik und Zugehörigkeit - verhandelt wurden. Diese Edition versammelt zum ersten Mal die zentralen Quellen einer historischen Kontroverse, deren Strahlkraft weit über das Jahr 1926 und den Ort Frankfurt hinausreichte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.12.2025

Einen faszinierenden Einblick in die intellektuellen Debatten der 1920er Jahre in der Weimarer Republik ermöglicht dieses Buch laut Rezensent Wolfgang Matz. Das Thema, die 1926 begonnene Bibel-Neuübersetzung von Martin Buber und Franz Rosenzweig, hat zwar auf den ersten Blick nicht allzu viel zu tun mit den politischen Verwerfungen der Zeit; auf den zweiten Blick jedoch geht es in dem von Siegfried Kracauers kritischem Kommentar zum Buber-Rosenzweig-Projekt begonnenen Streit durchaus ums große Ganze, nämlich darum, wie Religion, und auch religionsähnliche Utopien wie der Sozialismus mit der Gegenwart zu vermitteln sind. Kracauer kritisiert Buber und Rosenzweig dafür, dass ihr Versuch, die Bibel aus jüdischer Perspektive neu zu übersetzen, direkt auf sakrale Gehalte zugreifen will, was für den Materialisten Kracauer in Zeiten der Moderne ein Ding der Unmöglichkeit ist. Buber reagierte alles andere als souverän und verteidigte lediglich Details der Übersetzungsarbeit - die Philosophin Margarete Susman hingegen nahm mit deutlich besseren Argumenten für die Neuübersetzung Partei, erklärt Matz. Der Rezensent merkt an, dass er lediglich den Briefwechsel zwischen Buber und Borchardt vermisst, der in diesem Zusammenhang ebenfalls relevant gewesen wäre. Insgesamt jedoch rekonstruiert dieser Band eine wichtige Debatte in vorbildlicher und außerdem spannender Weise, freut sich der Kritiker. 

Buch in der Debatte

9punkt 10.12.2025
Vor fast hundert Jahren erschien eine neue Bibelübersetzung von Martin Buber und Franz Rosenzweig. Sie löste eine Kontroverse aus, an der das Who is Who der damaligen Intellektuellen teilnahm. Diese Kontroverse ist in dem Band "Die Bibelübersetzung von Buber-Rosenzweig" dokumentiert, den Wolfgang Matz heute in der FAZ bespricht. Siegfried Kracauer hatte das wolkige Deutsch der Übersetzung kritisiert. Die beiden Übersetzer replizierten: Dabei verblüfft laut Matz "besonders ein fast schon naiver Begriff übersetzerischer 'Wörtlichkeit'. Auf Kracauers Kritik an wagnerschen Alliterationen antworten sie: 'Luthers 'Wolken führen' heißt hebräisch: 'annen anan', infolgedessen bei uns: Wolken wölken.' Das Hebräische also kennt ein Verb mit dem gleichen Wortstamm wie das Substantiv, das Deutsche nicht - ist aber eine Übersetzung 'wörtlich', die das vermisste Verb einfach erfindet?" Unser Resümee

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