Freddy Quinn: Kein Solokünstler hatte mehr Nummer-Eins-Hits in Deutschland. "Junge, komm bald wieder", "Die Gitarre und das Meer" und "Heimweh" waren die größten seiner vielen Hits; er spielte in zahlreichen Filmen, trat als Moderator, Musicalsänger, Theaterschauspieler und Zirkusartist auf und inszenierte sich immer wieder als einsamer Seefahrer, einen Seesack über der Schulter, den Blick auf den Horizont gerichtet. Schließlich wurde ihm sogar das Bundesverdienstkreuz verliehen für die Verbreitung von deutschem Liedgut in aller Welt.
Jan Feddersen begrüßt die Biografie des Nachkriegsschlagerstars Freddy Quinn von Elmar Kraushaar als vielversprechenden Ansatz, auch endlich die Populärkultur jener Zeit ernsthaft in den historischen Blick zu nehmen. Das jetzt erschienene Buch bekommt von ihm eine uneingeschränkte Leseempfehlung, weil es dem Journalisten gelinge, aus einem "Wust" von Details eine kohärente und fesselnde Lebensgeschichte zu schöpfen und dabei die Nachkriegszeit als "Dekade des Manischen" und darin Freddy Quinn als Heimatlosen, der seine Herkunft gerne fabulös verschleierte, plausibel zu schildern, so der Rezensent angetan. Freddy Quinn, zu Schroffheit gegenüber Journalisten und durchaus auch zu Hochnäsigkeit neigend, wie der Rezensent weiß, hat jedwede Unterstützung des Autors abgelehnt, und so liest sich diese Biografie auch als Produktionsprozess einer gründlichen Recherche, was Feddersen gut gefällt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.09.2011
Nur als "Fernweh- und Zölibatsbarde" hätte sich Freddy Quinn nicht lange in den Hitlisten halten können, meint Dieter Bartetzko und zum Glück weiß das für ihn auch die neue Biografie von Elmar Kraushaar, die Bartetzko wohl recherchiert erscheint und, wie es sich für eine gute Künstlerbiografie gehört, allerhand Details aus Quinns Leben aufführt. Kraushaars Ausdeutung der Gerüchte über Freddy Quinns angebliche Homosexualität haben Bartetzko eher ermüdet. Spannender findet er hingegen die Geschichten, die sich um Quinns Herkunft ranken. Sie hätten seiner Ansicht nach zur Biografie eines großen Abenteurers getaugt.Warum dann Freddy Quinn zur Ikone des heimwehschweren Außenseiters wurde, erklärt Kraushaar nicht, und Dieter Bartetzko fehlt an dieser Stelle der Bezug zu den Heimats- und Fernwehkomplexen der bundesdeutschen Nachkriegsgesellschaft, in der Quinn - für Bartetzko einer der "sonderbarsten deutschen Unterhaltungskünstler" - wie aus dem Nichts zum Star wurde.
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