Goethe feiert seinen 66. Geburtstag in der Geburtsstadt Frankfurt, wo er glückliche Wochen der Nähe und Neigung zur 35 Jahre jüngeren Marianne von Willemer verbringt. Dabei entsteht in einem poetischen Austausch auf Augenhöhe eine einzigartige Sammlung von Liebesgedichten. Als "Buch Suleika" gingen sie in den "West-östlichen Divan" ein, der 1819 erstmals erschien. Elisabeth Binder erzählt diese späte Liebesbeziehung Goethes vor dem Hintergrund der Entstehung des ganzen Divan und mit genauer Lektüre einzelner Gedichte. Dabei zeigt sich neben dem Naturforscher und Dichter insbesondere der 'Weltbürger' Goethe, der sich mit dem persischen Dichter Hafis (*um 1320) auseinandersetzt und den das während der Befreiungskriege gewachsene Nationalgefühl zunehmend befremdet.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.08.2019
Für Gustav Seibt ist Elisabeth Binders Buch ein gelungener Anlass, sich mit Goethes "Divan" zu befassen. Dass die Autorin in ihrer Engführung von Dichtung und Wahrheit betreffend Goethes Liebe zu Marianne von Willemer und die Entstehung des "Divans" mitunter zu weit geht, dass sie Zeitgeschichtliches, Lehrhaftes und Politisches der Gedichte in den Hintergrund stellt, vermerkt Seibt zwar, für ihn ändert es aber nichts an der Freude, die ihm Binder bereitet, indem sie quellennah Goethes Wege, Lektüren und Gedankene offenlegt und zu den Gedichten in Bezug setzt. Goethes Leidenschaft während der Entstehungszeit des "Divan" wird Seibt bewusst, und darüber, wie die Texte darüber gleichsam hinwegfliegen, kann er sich nur beglückt wundern.
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