Kann man an der Zimmerdecke schlafen? Kann man unter die Tapete gehen? Nur Gedichte können so etwas, denke ich. Mich hier und zugleich dort sein lassen. Die Sprache dehnen, ohne daß es auch nur im mindesten gedehnt aussehen würde. Mich anregen, vorbehaltlos in die Verse einzutauchen, von mir abzusehen, für Momente jedenfalls. Selbstvergessenheit. Nachdenken. Die Lust des Staunens.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.01.2021
Rezensent Christoph Bartmann ist geteilter Meinung über Nico Bleutges Texte über Dichtung und Dichterkollegen und -kolleginnen. So schön der Autor eigene poetische Initiationsmomente beschreiben kann, so sehr es ihm gelingt, den Zauber des von Konventionen befreiten Schreibens einzufangen, so wenig ist sein eigenes Schreiben in den versammelten Texten mitunter frei von Verallgemeinerungen und sogar "schiefen Bildern", erkennt Bartmann. Auch der "Andachts-Furor", mit dem der Autor eigene Hausgötter von Mayröcker bis Poschmann bedenkt, ist dem Rezensenten nicht immer angenehm, und er fragt sich, ob es nicht auch noch eine andere Lyrik zu entdecken gibt als jene, die Bleutge hier so freundlich umarmt, eine, die weniger "subkutan" ist vielleicht und eher humoristisch.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 17.12.2020
Rezensentin Judith von Sternburg lässt sich inspirieren von Nico Bleutges Einlassungen auf Lyrik und Prosa als einer Schule der Wahrnehmung und der Erinnerung. Wie der Autor sich durch fremde Gedichte, eigene Träume, Kindheitsvorstellungen und Überlegungen treiben lässt in den meistenteils bereits veröffentlichten Texten und Artikeln, das eröffnet der Rezensentin nicht mehr und nicht weniger als den Blick auf die Potenziale der Dichtung.
Michael Braun sucht nach einer Antwort auf die Frage, wer in einem Gedicht eigentlich spricht. In Nico Bleutges "poetischen Essays" scheint er Antworten zu finden, da der Autor nicht nur poetologische Themenstellungen angeht, die Tiefenstrukturen von Gedichten erkundet und Texte von Gunnar Ekelöf oder Inger Christensen analysiert, sondern sich tief in die eigene poetische Biografie versenkt, zu prägenden Sensationen und mystischen Momenten, "Urszenen", in denen sich das Sensorium des Autors für Lyrik sich ausgebildet hat. Für Braun entsteht so ein auch für den Leser spannendes "subtiles Mosaik" aus Wahrnehmungsexerzitien, Gedächtnissplittern und Gedichtinterpretationen.
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