Die Arbeit führt den Interpretationsansatz fort, den der Verfasser bereits in seinem Buch über Eichendorffs Taugenichts entwickelt und erprobt hat. Auch die Erzählungen "Das Schloß Dürande" und "Die Entführung" erweisen sich als artifiziell angelegte Rezensionen der Poesie durch Poesie im Eichendorffschen Sinne, da sie implizit zugleich bestimmte Dichter und Dichtungstendenzen beschreiben und nach vorwiegend religiösen Maßstäben bewerten. Beide Male geht es um das für Eichendorff so bewegende Schicksal der romantischen Poesie mit ihrem vorläufigen Scheitern, wie es sich ihm im Rückblick aus den 30er Jahren darstellte. "Das Schloß Dürande" hat demnach nicht die französische Revolution zum Thema, ist also keine spezifisch politische Dichtung, wie man bisher meist annahm, sondern übt Kritik an Dichtung nach Art von Kleist und Uhland, die sich nach Meinung Eichendorffs unter dem Einfluß der Revolutionsbewegung in einseitiger Politisierung von der wahren romantischen Poesie entfernt hat. "Die Entführung" behandelt allgemeiner entscheidende Phasen auf dem wandlungsreichen Wege der romantischen Poesie: ihre Erweckung, ihr Scheitern und das erhoffte Weiterwirken im Verborgenen, wobei hier das Scheitern vor allem mit der Verabsolutierung der Phantasie bei Autoren wie Tieck und E. T. A. Hoffmann begründet wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.11.2004
Etwas bang fragt sich Egon Schwarz, wer heute überhaupt noch Eichendorff liest und möchte dennoch diesen Band, in dem es Otto Eberhardt unternimmt, die Erzählungen 'Das Schloss Dürande' und ?Die Entführung' zu interpretieren, empfehlen. Er schreibt dem Autor "große Akribie und Sachkenntnis" bei seiner Interpretation der Erzählungen zu und auch wenn der Rezensent zu bedenken gibt, dass der Versuch, die "eigentlichen Absichten" eines Schriftstellers rekonstruieren zu wollen, ziemlich riskant und zudem in der Literaturwissenschaft aus der Mode gekommen ist, die Darlegungen Eberhardts durchaus nicht "unplausibel" erscheinen. Er lobt den "erhellenden Gedankenreichtum" des Autors und hofft, dass dieses Buch deshalb bald Leser auch außerhalb der literaturwissenschaftlichen Kreise finden wird.
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