Aus dem Französischen von Ulrich Pröfrock. Wie findet man die eigene Identität, wenn man in Bagdad als Sohn einer griechischen Mutter und eines armenischen Vaters geboren wurde, seine Kindheit und Jugend im Libanon verbrachte und mit dem Ausbruch des Bürgerkriegs nach Frankreich fliehen musste? Nach 30 Jahren kehrt Charles Berberian erstmals zurück nach Beirut, zu den Ursprüngen seines Lebens, und der dramatischen Geschichte des Landes.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.08.2025
Beirut als Seismograf globaler Entwicklungen - so liest sich laut Rezensent Moritz Baumstieger sowohl Pierre Jarawans Roman als auch Charles Berberians Comic. Während Jarawan seine Protagonistin Lilith eine Reise in die eigene Familiengeschichte machen lässt, deren Spuren über den Genozid an den Armeniern bis in die libanesische Gegenwart reichen, verarbeitet Berberian eigene Kindheitserinnerungen - aus Bagdad, Beirut und Paris - zeichnerisch, erfahren wir. Beide Werke setzen sich mit der Stadt am Mittelmeer auseinander, die Zwischenstation vieler Migrationsbiografien ist und deren Geschichte voller Versprechen und Gewaltmomente steckt. Jarawan inszeniert einen Countdown zwischen dem ersten libanesischen Raketenstart 1966 und der Explosion im Beiruter Hafen 2020, die 300.000 Menschen wohnungslos machte. Berberian, lesen wir, arbeitet mit collagenhafter Bildsprache und Zeitüberlagerung. Dass ihre Arbeiten nicht nach der Schuld für das Versagen der Regierung in Bezug auf die Explosion 2020 fragen, sondern lieber zurückschauen, sei kein Manko, sondern - so der Kritiker - Ausdruck einer Erzähllogik, die den komplexen Schichten von Beirut gerecht werde.
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