Dass wir ohne Sklaverei leben, ist nicht selbstverständlich. Dieser Zustand ist historisch errungen und kann wieder verloren gehen. Die Anzahl der in Unfreiheit geratenden Menschen steigt täglich; damit drohen die Menschenrechte zu wertlosem Papier zu werden. Dieses Buch zeigt, was hier auf dem Spiele steht. Es schildert, worin Sklaverei bestand, wie Lieferzonen für die stetig steigende Sklavennachfrage entstanden, wie sich die Sklaverei entwickelte und weltweit durchgesetzt wurde. Drei zentrale Systeme der Sklaverei werden dargestellt: die sozialen Formen der antiken und vorderasiatischen Sklaverei, das System der islamischen Sklavenhaltung und schließlich ihre westliche Ausprägung in den Plantagen Nordamerikas. Ein Kapitel über den schließlich siegreichen Kampf gegen die Sklaverei beschließt den Band.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.08.2009
Jürgen Zimmerer ist enttäuscht. Was ihm als solides Sachbuch zur Weltgeschichte der Sklaverei auf den Schreibtisch segelte, entpuppte sich als ärgerliche Polemik, Pauschalisierungen und Einseitigkeiten inklusive. Dabei weiß Zimmerer das Wissen des Autors, seine Fähigkeit zu solider Argumentation, zur Schilderung historischer Sklavereipraktiken und zur Einführung in islamisches Recht und antike Philosophie zu schätzen. Das hätte was werden können, seufzt Zimmerer. Hätte. Wäre das Hauptanliegen des Autors nicht ein weniger ehrenwertes gewesen. Laut Rezensent besteht es darin, den Islam als einen die Sklaverei fördernden Glauben darzustellen und das gewalttätige Potential islamischer Gesellschaften "krampfhaft" und mittels penetranter Wiederholungen herauszustreichen, noch dort, wo die Quellenlage alles andere als eindeutig ist. Zimmerer findet das so kühn wie einseitig, taugend für eine Streitschrift über den Islam, aber nicht zur Aufklärung.
Ein so wichtiges Thema hätte ein besseres Buch verdient, watscht Rezensent Andreas Eckert dieses Unternehmen und den edierenden Verlag ab. Hauptvorwurf ist, dass der Rostocker Althistoriker Egon Flaig hier im Wesentlichen gegen den Islam ins Feld ziehe, von dem er ein "verzerrtes Einheitsbild" wiedergebe, und besonders in der neueren Geschichte nicht immer seriös argumentiere. Flaigs Behauptung, dass mehr Menschen in die islamische Welt als über den Atlantik in die Sklaverei verschleppt wurden, kontert Eckert allerdings mit dem zweifelhaften Argument, dass der islamische Sklavenhandel sich über einen längeren Zeitraum erstreckte. Ein weiterer Vorwurf des Rezensenten ist, dass die Konzentration auf den islamisch gesteuerten Sklavenhandel die Rolle Europas eigentümlich bescheiden erscheinen lasse. Problematisch findet er auch Flaigs These, lediglich im Westen habe es einen Abolitionismus gegeben. Fassungslos ist Eckert schließlich, als Flaig ihn mit seiner These konfrontiert, der Kolonialismus in Afrika sei eine humanitäre Intervention gewesen.
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